Predigt to go am 5.7.2020, Pfarrer Ingo Schäfer

Gebet

6 Herr, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist,
und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen.
7 Deine Gerechtigkeit steht wie die Berge Gottes
und dein Recht wie die große Tiefe.
Herr, du hilfst Menschen und Tieren.
 8 Wie köstlich ist deine Güte, Gott
dass Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel Zuflucht haben!
 9 Sie werden satt von den reichen Gütern deines Hauses,
und du tränkst sie mit Wonne wie mit einem Strom.
10 Denn bei dir ist die Quelle des Lebens,
und in deinem Lichte sehen wir das Licht.
11 Breite deine Güte über die, die dich kennen,
und deine Gerechtigkeit über die Frommen.

 

Gott, du Quelle des Lebens,
du versprichst uns nicht, dass wir immer Glück haben,
dass unser Leben immer leicht und sommerlich ist.
Aber du gibst uns Halt. Bei dir finden wir Zuflucht.
Nicht alles gelingt uns. Gerade, wenn wir scheitern, verlässt du uns nicht.
Ja, wir erleben, dass es Böses in der Welt gibt, dass es nicht einfach durch Zauberworte verschwindet.
Aber du schenkst uns Hoffnung mitten in unserer Angst und unseren Sorgen.
Gott, aus deiner Treue und Liebe schöpfen wir Zuversicht.
Und deine Kraft ist in der Schwachheit mächtig.
Amen.

 

Predigt

Liebe Gemeinde,

Macht Gott eigentlich auch mal Urlaub?
Mehr als einen Tag. Mehr als mal am Sonntag ausschlafen und den Tag ruhiger angehen? Den Wecker auslassen und schauen, was kommt?  

Ich frage mich, macht Gott mal richtig Urlaub? Ferien. Koffer packen. Wegfahren.

Wie viele Urlaubstage hat Gott wohl so? Vom Dienstalter her dürfte der gesetzliche Anspruch auf Erholung doch immens sein.

Und jetzt – in den letzten Wochen – mit dieser ganzen Corona Sache, der Klimakrise, den Menschen, die immer aggressiver werden, dazu die Menschen, die auf der Flucht sind. Es könnte doch sein, dass Gott einfach mal Urlaub braucht, oder?

So einen Verwöhn-Wellness-Urlaub zum Beispiel. All inclusive. Jeden Morgen mit frisch gepresstem Orangensaft zum Frühstück und weichen Handtüchern, die zu lustigen Figuren gedreht werden. Verdient hätte das Gott doch.

Aber vielleicht campt Gott auch. In einem kleinen Zelt, irgendwo am Ende der Welt. Oder reist durch seine Schöpfung mit dem Wohnmobil. Und jeden Morgen holt er sich frische Brötchen. Zwei Stück. Auf einem wird frische, selbstgemachte Erdbeermarmelade sein. Danach geht er mit der Spülschüssel über den Campingplatz und macht den Abwasch. Und wenn er keine Lust dazu hat, dann lässt er es.

 

Summertime, and the living is easy ….

Gott macht Urlaub. Sein Entschluss steht fest.
Lange hat er darüber nachgedacht, ob es wirklich geht – einfach mal in den Urlaub zu fahren.
Denn: „Der Ewige schläft und schlummert nicht“. So steht es immerhin im Buch der Bücher. Und so war es bislang auch. Gut, einen Tag Ruhe, den hatte er sich immer mal wieder gegönnt. Der war schon bei der Schöpfung eingeführt worden. Der Sonntag, an dem er zufrieden auf das blickte, was er geschaffen hatte.
Aber in den vergangenen Monaten war ihm manches doch etwas zu viel. Die vielen kleinen und großen Krisen. Dieser Virus, der das Leben seiner geliebten Menschen durcheinander brachte. Vielerorts keine Gottesdienste mehr, bei denen er früher gerne vorbeigeschaut hatte. Und dann diese vielen Menschen, die auf der Flucht sind. Vor Kriegen und Krisen, die die Menschen selbst gemacht haben. Irgendwie haben die Menschen über die vielen Jahrtausende nichts dazu gelernt. Immer das gleiche. Immer wird er für alles Schlechte verantwortlich gemacht. Aber das Gute, das waren die Menschen natürlich selbst.

Die Luft ist raus. Gott braucht auch mal Erholung.
Vielleicht spürt er auch das dringende Bedürfnis, seine Füße ins Wasser und die Nase in den Wind zu halten.

Also packt Gott den kleinen Koffer. Der würde reichen. Nur das nötigste kommt diesmal mit. Obwohl er ja durchaus aus dem vollen schöpfen könnte. Diesmal gilt: weniger ist mehr.
Nur ein Buch ist mit dabei. Das hat er zwar vor Jahren schon einmal gelesen. Aber es ist ihm nicht nach Neuem. Hauptsache, keine weiteren Überraschungen in diesem Jahr. Davon gab es in den vergangenen Wochen mehr als genug.

Seine Vertretung ist geregelt. Die beiden anderen wissen Bescheid und in der größten Not wäre er natürlich auch erreichbar. Er klappt den Koffer zu. Fertig.

Gott hat für den Urlaub keine großen Pläne.
Irgendwo sitzen. Einfach nur sitzen. In einem Café oder an einem See. Seine Schöpfung betrachten. Darauf freut er sich am meisten. Denn im Alltag kommt das oft zu kurz. Nur den eigenen göttlichen Gedanken nachhängen. Vielleicht würde er den ein oder anderen Plan weiterdenken. Alles kann, nichts muss.

Wie hatte sein Sohn es einst so gut auf den Punkt gebracht: „Warum sorgt ihr euch um die Kleidung? Schaut die Lilien auf dem Feld an, wie sie wachsen: Sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht.“ Und sie wachsen doch.
Denn: es passiert viel, wenn nichts passiert. Viel mehr als sonst.

Dazu lade ich auch Sie heute und in den kommenden Tagen ein. Sich zurückzunehmen und das Leben zu genießen. Zu betrachten, wie schön Gottes Schöpfung ist und wie er für uns täglich sorgt. Den Gedanken freien Lauf zu lassen und die tägliche Informationsfülle zu reduzieren. Seien sie entspannt und auch etwas faul in der Sommerzeit. Nehmen sie sich die Worte Jesu zu Herzen:

Seht die Vögel unter dem Himmel an: Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel kostbarer als sie? Darum sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage hat.

Denn, liebe Gemeinde: es passiert viel, wenn nichts passiert. Viel mehr als sonst.

It´s Summertime, and the living ist easy.

Amen.

Segensgebet

Herr, unser Gott
möge es dein Wille sein,
uns in Frieden zu leiten,

unsere Schritte auf den Weg des Friedens zu richten,
und uns wohlbehalten zum Ziel unserer Reise zu führen.
Behüte uns vor aller Gefahr,
die uns auf dem Weg bedroht.
Bewahre uns vor Unfall und vor Unglück,
das über die Welt Unruhe bringt.
Segne die Arbeit unserer Hände.
Lass uns Gnade und Barmherzigkeit
vor deinen Augen finden;
Verständnis und Freundlichkeit
bei allen, die uns begegnen.
Höre auf die Stimme unseres Gebetes.
Gepriesen seist du, o Gott,
der du unser Gebet erhörst.
(nach einem alten jüdischen Reisegebet)

Johannis - Das ist die Höhe! – Andacht to go am 3. Sonntag nach Trinitatis, 28.6.20

(Pfrin. T. Schäfer nach einer Idee von Pfr. D. Geiss)

 

Sei Willkommen!

Das Jahr ist auf der Höhe: Die Nächte kurz, die Tage lang.

Von nun an nimmt die Zahl der Sonnenstunden wieder ab.

Da kehrt sich etwas um.

In diese Zeit fällt das Fest für Johannes den Täufer, der Johannistag.

Von ihm, von Johannes ist der Satz überliefert: „Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen.“

Da kehrt sich etwas um.

Das war ja überhaupt sein großes Thema: Umkehren.

Loslassen, was ich erreicht habe. Mich neu ausrichten.

Ausstrecken nach dem Leben, das kommen will. Hin zu ihm, Jesus Christus.

Das feiern wir: Im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen.

 

Meditation

Mit dem Johannistag ist das Jahr auf seiner Höhe angekommen.

Wachsen und Abnehmen, Werden und Weichen,

umkehren und nachfolgen verbinden wir damit.

Das Jahr steht auf der Höhe, die große Waage ruht.

Nun schenk uns deine Nähe und mach die Mitte gut,

Herr, zwischen Blühn und Reifen und Ende und Beginn.

Lass uns dein Wort ergreifen und wachsen zu dir hin.

Das ist die Höhe, wo Gott nahe ist.

Ich halte inne, raste, ruhe – und nehme wahr:

Manches ist schon reif: Salat, Erdbeeren und Kirschen,

anderes muss noch wachsen: Gurken und Möhren.

Aber was wächst und reift in mir?

Gottvertrauen und Zuversicht oder Furcht und Unsicherheit?

Halte mich bei dir, Gott, und gib mir Kraft.

Kaum ist der Tag am längsten, wächst wiederum die Nacht.

Begegne unsren Ängsten mit deiner Liebe Macht.

Das Dunkle und das Helle, der Schmerz, das Glücklichsein,

nimmt alles seine Stelle in deiner Führung ein.

Das ist die Höhe.

Die Natur steht in Laub und Blüte, die Sonne stärkt uns mit Wärme und Licht.

Manch einer macht Urlaubspläne auch trotz Corona und freut sich.

Schöner kann es unter den Umständen nicht mehr werden – oder doch?

Das ist die Höhe.

Aufgrund von Corona spitzt sich die Lage in vielen Ländern zu.

Auch bei uns sehen wir wie mit einem Brennglas: auf unsere Fleischfabriken, auf die Gewalt gegenüber der Polizei in Stuttgart, auf die neuen Erkenntnisse zum Virus.

Schlimmer kann es nicht mehr kommen – oder doch?

Dir, Gott, halte ich mein Glück und meine Sorge hin:

Schenke du Sinn und Verstand, Mut und Zuversicht!

Das Jahr lehrt Abschied nehmen schon jetzt zur halben Zeit.

Wir sollen uns nicht grämen, nur wach sein und bereit,

die Tage loszulassen und was vergänglich ist,

das Ziel ins Auge fassen, das du, Herr, selber bist.

Das ist die Höhe. Der Anfang vom Abschied bricht an.

Auch ich vergehe und kann mich nur schwer an den Gedanken gewöhnen.

Sterben und voneinander Abschied zu nehmen ist in dieser Zeit anders:

belegt mit Vorschriften, auf den engsten Kreis der Angehörigen begrenzt,

am Grab kein Händedruck, keine Umarmung von Freunden.

Für manche schwer zu ertragen, Trost per Brief oder Anruf ist willkommen.

Für manche auch eine Erleichterung: die Familie unter sich, weniger Aufregung, mehr Ruhe. Gemeinsam halten wir das aus und suchen bei dir Zuflucht, Gott.

Du wächst und bleibst für immer, doch unsre Zeit nimmt ab.

Dein Tun hat Morgenschimmer, das unsre sinkt ins Grab.

Gib, eh die Sonne schwindet, der äußre Mensch vergeht,

dass jeder zu dir findet und durch dich aufersteht.

Das ist die Höhe. Du bleibst immer und ewiglich.

Du willst, dass wir bei dir bleiben im Leben wie im Tod.

Dafür nahm das Wirken Johannes des Täufers ab und Jesu Wirken zu.

Durch Jesu Wort lässt du dich finden – von jedem, der dich sucht:

von Kindern und Jugendlichen, von Männern und Frauen, von mir.

Ich halte Ausschau nach dir, Gott.

Wo entdecke ich dich?

Wer wir auch sind, wie lange wir dich manchmal auch suchen,

am Ende sind wir noch immer bei dir.

Amen.

 

Fürbitte und Vater unser

Auf der Höhe des Jahres, inmitten des Wachsens und Werdens, beten wir zur Dir, Gott,

du bist Anfang und Ende, Ziel und Hoffnung allen Lebens.

Wir bitten dich für alle jungen Menschen, deren Lebenskräfte zunehmen, die Pläne schmieden und Neues wagen: Leite und ermutige sie, nach deinem Willen zu leben.

Wir bitten dich für alle, deren Kräfte abnehmen, für die Alten, deren Lebenskreise enger werden: Leuchte denen, die im Dunkel und im Schatten des Todes sitzen.

Wir bitten dich für unsere Kirchen und Gemeinden, die wachsen und die schwinden, die aufbrechen und die verharren: Komm uns zur Hilfe und stärke uns.

Wir bitten dich für unser Land, das sich wandelt: Unsicherheit und Abstand prägen den Alltag, viele können einander nicht mehr zuhören und verstehen, neue Konflikte entstehen. Lenke unsere Füße auf den Weg des Friedens.

Vater unser im Himmel! Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

 

Sei gesegnet!

Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden. Amen.

Predigt to go für den 21.6.2020 von Pfarrer Ingo Schäfer

 

Liebe Gemeinde,

heute darf ich über einen Text sprechen, der mir in den letzten Jahren sehr vertraut geworden ist. In zahlreichen Gottesdiensten, die ich in Wohnheimen und Werkstätten für Menschen mit geistigen und psychischen Behinderungen halten durfte, war dieser Text das Zentrum. Denn die, die vor mir saßen, fühlten sich sofort durch diese Worte Jesu angesprochen. Sie haben den Ruf Jesu gehört und gingen gestärkt mit dieser Verheißung nach Hause. Doch hören Sie selbst, was Jesus uns heute Morgen zuspricht:

25 Zu der Zeit fing Jesus an und sprach: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, dass du dies Weisen und Klugen verborgen hast und hast es Unmündigen offenbart.

26 Ja, Vater; denn so hat es dir wohlgefallen.

27 Alles ist mir übergeben von meinem Vater, und niemand kennt den Sohn als nur der Vater; und niemand kennt den Vater als nur der Sohn und wem es der Sohn offenbaren will.

28 Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.

29 Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen.

30 Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.

Liebe Gemeinde,

das sind für mich wunderbare Worte. Worte, die mir gleich zu Herzen gehen, weil sie direkt auf den Punkt bringen, was Jesus von uns möchte.

Er ruft uns an, zu ihm zu kommen und bei ihm im Glauben Ruhe zu finden. Er möchte uns stärken und erquicken. Wie im 23. Psalm der gute Hirte, der mich auf eine grüne Weide und zum frischen Wasser führt.

Doch bin ich überhaupt mit den Mühseligen und Beladenen gemeint, oder sind es nicht vielmehr die, denen es wirklich schlecht geht? Diejenigen, die mir so zahlreich in den Diakoniegottesdiensten begegnet sind! Menschen mit psychischen Erkrankungen, Menschen die geistig und körperlich eingeschränkt sind? Menschen, die nicht mehr weiterwissen und von sich selbst nichts, aber von Gott alles erhoffen.

In einem Telefonat mit Werner Herbert in der vergangenen Woche, bei dem wir auf den Predigttext zu sprechen kamen, sagte er mir, dass dieser Text doch eigentlich sehr gut in die jetzige Zeit passt, in die Zeit der Pandemie! Er fühle sich sehr wohl angesprochen, denn mühselig und beladen sei er oft auch.

Da musste ich ihm gleich zustimmen und fühlte mich sofort in den Predigttext mit hineingenommen. Denn vieles, was vor März dieses Jahres ganz selbstverständlich war, geht jetzt nicht mehr: Wir müssen uns isolieren und können uns gegenseitig nicht in den Arm nehmen. Wir können nicht im Gottesdienst singen und dürfen diejenigen, die alt und krank sind, nicht besuchen.

Durch eine Vielzahl von Vorschriften und Auflagen werden wir täglich beladen und müssen ständig neu überlegen, wie wir einen guten Spagat zwischen Schutz und menschlicher Nähe schaffen.

Mühselig und beladen, das sind viele Menschen jetzt in dieser Krise.

Neben sozialer Isolation und Einschränkung des täglichen Lebens, kommen noch Existenzängste an die Oberfläche: Wie geht es weiter nach der Krise? Behalte ich meine Arbeitsstelle? Geraten wir in eine große Rezession, die Millionen von Menschen die Arbeitsplätze kostet? Was ist mit mir, wenn ich an die Beatmungsmaschine muss? Und sollte ich ins Krankenhaus müssen, bin ich dann ganz allein?

Liebe Gemeinde, viele Ängste und Befürchtungen schwirren uns im Kopf umher und viele von uns fühlen sich mühselig und beladen.

Eigentlich doch die richtige Voraussetzung, um diesen Ruf Jesu zu hören.

Doch, liebe Gemeinde, wie sie schon gehört haben, habe ich das Wort eigentlich in meinem Satz eingebaut. Denn blickt man auf die vergangenen Wochen zurück, kann man nicht gerade behaupten, dass viele Menschen in unserem Land sich nach Glauben und Religion, nach Trost und Erquickung gesehnt haben. Außer einige wenige, die sich wie wir hier heute Morgen in unserer Kirche oder vor den vielfältigen medialen Angeboten versammelt haben, scheint der Ruf Jesu Christi und das Angebot, uns beizustehen, verhallt oder nicht nötig zu sein.

Woran liegt es, dass in dieser Krise augenscheinlich kein großes Bedürfnis nach Religion besteht? Woran liegt es, dass immer nur von den katastrophalen Folgen der Pandemie für Kultur und Wirtschaft die Rede ist, aber in keinem Wort dabei die Kirchen erwähnt werden? Woran liegt es, dass es kaum Proteste gibt, als die Kirchen geschlossen wurden? Die Orte, die in zurückliegenden Krisenzeiten immer Anlaufpunkte waren.

Ich glaube, liebe Gemeinde, es liegt daran, und dabei nähern wir uns an die Zeit Jesu immer mehr an, dass sein Ruf an uns nur einer von vielen Rufen in der Krise war. Ein verhaltener Ruf über Bibel und kleine Gottesdienstformate. Ein Ruf, der schon vor der Krise oft auf sonntags beschränkt wurde.

In dieser Zeit gab es einfach stärkere Rufe. Der Heilandsruf der Virologen und Politiker. Der Heilandsruf der Psychologen und zahlreichen Talker. Der Heilandsruf der Mediziner und des Corona Tickers. All diesen wurde und wird in der Krise mehr Gehör geschenkt.

Vielleicht aber wurde der Ruf Jesu auch nicht gehört, weil die Krise nicht schlecht für jeden war. Zwar haben wir die schrecklichen Bilder aus Norditalien und New York tagtäglich gesehen, aber die meisten von uns mussten zum Glück keinen Angehörigen aufgrund des Virus zu Grabe tragen.

Gerade in den ersten Wochen sprachen viele davon, dass sie durch die Pandemie entschleunigt wurden. Dass sie nun mehr Zeit hatten für ihre Familie und auf einmal alle lästigen Termine los waren. Die Pandemie war für die meisten in unserem Land, außer dass Klopapier und Nudeln ausgingen, nicht lebensbedrohend. Und abgesehen von den Pflegekräften, Kassiererinnen und anderen systemrelevanten Berufen, denen unser Dank gilt, fühlten sich die meisten nicht mühselig und beladen, sondern in den ersten Wochen entspannt und fast in Urlaubsstimmung.

Warum sollten sie denn in die Kirche kommen oder ein Seelsorgegespräch führen wollen, wenn der Baumarkt offen hatte und es noch genug im Garten zu tun gab?

Die Coronakrise, liebe Gemeinde, ist aus vielfältigen Gründen für mich ein klarer Hinweis darauf, dass Glaube nicht mehr selbstverständlich in Anspruch genommen wird, um eine Krise zu bewältigen. Viele Menschen bewältigen ihre kleineren und größeren Krisen ohne Gott. Das ist für mich Fakt!

Doch sollen wir deshalb resignieren und uns noch mehr zurückziehen? Sollen wir Angst davor haben, dass unser Glaube und unsere Kirche irgendwann überflüssig sind?

Nein, liebe Gemeinde, davor brauchen wir überhaupt keine Angst zu haben. Sicherlich wird sich die Zahl derer, die an Jesus Christus glauben und seinen Ruf hören, in den nächsten Jahren noch mehr verkleinern. Sicherlich werden wir von der einen oder anderen lieb gewonnenen Tradition Abschied nehmen müssen, aber der Kern unseres Glaubens bleibt doch bestehen. Und der Kern, liebe Gemeinde, das ist doch die Verheißung, die uns heute der Predigttext so deutlich zuspricht.

28 Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.

29 Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen.

Jesus Christus möchte uns erquicken und uns Ruhe für die Seele schenken. Wer kann dies außerhalb unseres Glaubens und unseres Heilandes tun?

Die neuen Heilsbringer mit ihren ständigen Theorien über Krankheits- und Wirtschaftsverläufe? Die Medien, die uns rund um die Uhr berichten?

Ich glaube nicht und ich glaube auch, dass die meisten dieser Experten dies gar nicht wollen, dass ihnen selbst bei dieser Überhöhung unwohl ist.

Mir selbst ging es und geht es in dieser Zeit oft so, dass ich durch die Vielzahl der Nachrichten und Vorschriften, der E-Mails und Prognosen derart aufgeregt, zuweilen ängstlich bin, dass ich mich beladen fühle und mich nach Ruhe sehne. Und das einzige, was mich dann in dieser Situation herunterbringt, ist mein Glaube!

Dann schnappe ich mir meine Trompete und spiele einen Choral und fang an zu singen. Oder ich falte die Hände vorm Schlafengehen und lade alles bei Jesus ab. Oder ich gehe in die Kirche und betrachte einfach das schöne Farbenspiel, das bei sonnigen Tagen in unserem Altarraum zu finden ist und fühle mich bei Gott geborgen. Denke an unsere Vorfahren, die schon ganz andere steinige Wege mit ihrem Glauben bewältigt haben. Bei all dem spüre ich die Nähe Gottes und Ruhe für meine Seele. Ich erfahre eine Befreiung von meiner Last und Angst und werde gestärkt für den Alltag.

Die Verheißung, die Jesus uns mit dem heutigen Predigttext gibt, kann ich und können unzählig viele andere Menschen bestätigen. Lassen Sie uns gemeinsam davon erzählen, wie wir Ruhe und Stärke in unserem Glauben finden.

Uns alle hier heute Morgen verbindet ein fester Glaube, der uns stark macht und uns unsere Angst nimmt.

Uns alle verbindet es, dass wir den Ruf unseres Heilandes hören, dass wir zugeben, dass wir auch mühselig und beladen sind und unser Wohl und Wehe nicht nur von uns selbst abhängt. Wir haben den Ruf Jesu gehört und seine Verheißung in vielfältigen Situationen schon erfahren.

Dass werden wir auch weiterhin tun und anderen freudig davon erzählen. Nicht ausgeschlossen, dass der eine oder die andere dann auch die Ohren spitzt für die Worte Jesu:

Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.

Amen

Segen

Möge die Straße Dir entgegeneilen,
möge der Wind immer in deinem Rücken sein.
Möge die Sonne warm auf dein Gesicht scheinen
und der Regen sanft auf deine Felder fallen.
Und bis wir uns wiedersehen,
halte Gott dich im Frieden seiner Hand.

Bleiben Sie behütet

Ihr Pfarrer Ingo Schäfer

Predigt to go für den 1. So nach Trinitatis, 14.6.20, Pfrin. Tamara Schäfer

Liebe Gemeinde,

wo Menschen die Liebe neu bedenken, wo sie sich verbünden und ganz neu anfangen, da berühren sich Himmel und Erde, heißt es im Lied „Da berühren sich Himmel und Erde“ (EG +75).

War das so - damals in der Anfangszeit der neuen christlichen Gemeinden? Lukas erzählt uns, dass die Menge der Gläubigen ein Herz und eine Seele und ihnen alles gemeinsam war. Keine und keiner unter ihnen litt Mangel und man gab jedem, was er nötig hatte.

Manch einer wird diese Beschreibung des Lukas für völlig unrealistisch halten und gleich zur Seite schieben: Wer’s glaubt wird, selig. Das kann nicht klappen, dafür sind wir Menschen zu schwach, zu egoistisch und in unseren Auffassungen zu unterschiedlich. Außerdem zeugt mein Besitz ja auch von meiner Leistungsfähigkeit. Und wer hat es zu Beginn der Coronakrise nicht genossen, im eigenen Garten sitzen zu können oder mehr als nur einen Schritt durch die Wohnung setzen zu können?

Manch einer wird dies aber auch als wunderbare Option lesen und hören: Ja, wie gut wäre es, wenn niemand Not leiden müsste, jede und jeder sein materielles Auskommen hätte und dazu noch alle ein Herz und Seele wären und es keinen Streit mehr gäbe. Viele arbeiten Tag für Tag daran mit: sie entwerfen Gesetze für die finanzielle Absicherung in Notlagen oder für ein Grundeinkommen aller, sie entwickeln Projekte und Ideen, um in anderen Ländern Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten, damit Menschen dort ihr eigenes Auskommen und Überleben sichern können, sie stellen sich der Diskussion um unsere Grundwerte, die ein gemeinsames Leben möglich machen.

So einfach ist Lukas Beschreibung der ersten Gemeinde nicht beiseite zu legen. Lassen Sie uns genauer hinschauen. Er schreibt: Die Menge der Gläubigen aber war ein Herz und eine Seele; … es war ihnen alles gemeinsam … Es war auch keiner unter ihnen, der Mangel hatte ...

Die alttestamentlichen Bilder von Herz und Seele, auf die Lukas Bezug nimmt, stehen für das Zentrum der betreffenden Person. Im 5. Buch Mose etwa heißt es: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, liebhaben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft.“ (5. Mo 6,5) Dein tiefstes Inneres soll ganz von Gott bestimmt sein und dich selbst ganz bestimmen. Herz und Seele sind wie eine Kompassnadel auf Gott ausgerichtet.

In diesem Zusammenhang sind die Gläubigen nach Lukas im Glauben vereint und ein Herz und eine Seele. Jede und jeder von ihnen ist auf Gott und seinen Willen ausgerichtet. Dies beschreibt Lukas für die Menge der Gläubigen, also eine große Anzahl, nicht für alle.

Ein Herz und eine Seele zu sein, schließt auch ein bestimmtes Verhalten untereinander mit ein. Dazu gehört, dass niemand Mangel leidet. Hier greift Lukas auf die Rede „alles gemeinsam zu haben“ zurück. Sie steht im damaligen griechischen Schrifttum für das Ideal der Gütergemeinschaft. Der jeweilige Besitz sollte nicht voneinander trennen. Die Grenze, die das private Eigentum gewöhnlich zwischen Menschen zieht, war damit aufgehoben.

Damit verbunden heißt es: „Wer von ihnen Land oder Häuser hatte, verkaufte sie und brachte das Geld für das Verkaufte und legte es den Aposteln zu Füßen; und man gab einem jeden, was er nötig hatte.“ (Apg 4,34f.) Dieser Gedanke knüpft zugleich an die damals in der Philosophie weit verbreitete Utopie einer heilen Urzeit an und strahlte große Faszination aus. Mancher Leser mag damals an die Worte Aristoteles gedacht haben „gemeinsam ist der Besitz der Freunde“. Kritisch betrachtete damals auch Seneca das private Eigentum, denn für ihn verdarb das Privateigentum Mensch und Welt gleichermaßen.

Aber Lukas geht es nicht um die Abschaffung des privaten Eigentums. Es geht nicht darum, dass jede und jeder, der der Gemeinde beitritt, sogleich Land und Haus verkaufen muss, um so die Gemeinschaftskasse zu füllen. Es heißt auch nicht, dass alle ihr Hab und Gut zugunsten der Gemeinschaft verkauft haben. Nur wenn es die Situation erforderlich macht, wird ein Stück Land oder ein Haus verkauft, damit die Gemeinschaft von Fall zu Fall helfen kann.

Lukas beschreibt also keine durchorganisierte und gesetzlich geregelte Gemeinschaft, in der gemeinsamer Besitz und gemeinsames Wirtschaften festgelegt sind. Es geht nicht um eine materielle Gleichheit aller oder eine Art klösterlicher Gemeinschaft. Kennzeichnend für seine Beschreibung ist die Möglichkeit, situativ und spontan zu handeln und damit Not und Mangel unmittelbar zu beseitigen.

Dieses Modell der Gemeinschaft nimmt auch die besondere Situation der ersten Gemeinde mit auf. Denn die galiläischen Jüngerinnen und Jünger Jesu hatten ihre Heimat verlassen und zogen nach Jerusalem. Als gelernte Fischer und Bauern fanden sie dort kaum Arbeit und so lag es nahe, dass die dortige Jerusalemer Gemeinde erst einmal mit für sie aufkam. Das neue Leben als Gemeinde erforderte auch neue Wege.

Zugleich herrschte eine gewisse endzeitliche Stimmung vor. Die Gemeinde erwartete die baldige Wiederkunft Jesu. Insofern tat man sich leichter damit, Besitz abzugeben und fokussierte auch kein längerfristiges wirtschaftliches Konzept für die Gemeinde.

Letztlich liegt hinter der Beschreibung des Lukas, sein Hab und Gut situativ zur Linderung von Not einzusetzen, auch seine Kritik am Reichtum verborgen. Jesu Warnung vor dem Sorgen für Morgen, dass alles andere überschattet, oder seine Geschichte „Vom reichen Mann und armen Lazarus“ wirken hier weiter.

Denn durch zu viel Privateigentum besteht die Gefahr, sich von den anderen und von Gott selbst abzuschirmen und abzuwenden. Es verleitet dazu, die Welt für sich selbst in Besitz zu nehmen, statt sie Gott und den Nächsten zu lassen. Vielmehr will Lukas den Blick darauf lenken, wie die materiellen Dinge als gute Gaben Gottes verstanden werden und zum Wohle anderer eingesetzt werden können.

Damit legt Lukas in seiner Beschreibung der Urgemeinde den Schwerpunkt auf das Einstehen füreinander, damit niemand Not oder Mangel leiden muss. Hierfür wird das private Eigentum situativ eingesetzt und zum Wohl anderer veräußert. Voraussetzung dafür ist, dass alle dies mittragen und diesbezüglich ein Herz und eine Seele sind.

Doch schon einige Zeilen weiter erzählt Lukas, wie sehr das Ganze auch gefährdet ist. Hananias und Saphira z.B. verkaufen einen Acker und geben den Erlös nicht vollständig ab, sondern halten ein wenig Geld für sich selbst zurück. Nachdem Petrus Hananias zur Rede stellt, verstirbt dieser und auch Saphira verstirb nur drei Stunden später nach ihrem Gespräch mit Petrus. (Apg 5,1ff.)

Lukas zeigt uns also beide Seiten: die Möglichkeit, gemeinsam an einem Strang zu ziehen und damit das Wohlergehen aller im Blick zu behalten und die Möglichkeit, daran zu scheitern und auf sich selbst zurückgeworfen zu sein.

Momentan erleben wir das gerade im Zusammenhang mit der Coronakrise sehr deutlich. Unentwegt entscheidet das Verhalten einzelner über Einschränkungen oder Lockerungen. Ständig wird darüber diskutiert, wieviel Lasten Einzelne zugunsten der Gesundheit aller tragen sollen. Mehr und mehr werden finanzielle Hilfen ausgeklügelt, um möglichst vielen ein weiteres Auskommen zu sichern. Daneben wird verstärkt demonstriert für die persönlichen Freiheitsrechte und die persönliche Selbstverwirklichung oder gegen die staatliche Bevormundung. Und manche Familie oder Beziehung merkt in diesen Wochen ganz unmittelbar, ob sie mehr oder weniger ein Herz und eine Seele ist. Es ist ein ständiges Austarieren dessen, was Einzelne zugunsten aller aushalten und ertragen können, was Einzelne einbringen und leisten können, ja zuweilen auch leisten müssen.

Zugleich aber blitzt selbst in der Krise „ein Herz und eine Seele“ auf, eine gemeinsame Basis, die sich durchsetzt und neue Spielräume eröffnet, die sich mit den gesetzlichen Regelungen auseinandersetzt und guckt, was geht: Ein Beispiel dafür ist der Umzug der beiden Schulanfängergruppen unserer Kita in die Gemeinderäume. Situativ wurde dies entschieden und gemeinsam im Rahmen der gesetzlichen Regelungen und unserer Möglichkeiten umgesetzt. Alle Kinder können von 7.30 – 13.30 Uhr wieder kommen, nicht nur einzelne Tage, sondern jeden Tag.

Das Ergebnis dieser Anstrengung ist sehr erfreulich. Denn nach vielen Wochen können sich die Kinder endlich wiedersehen und miteinander spielen und lernen. Auch wenn die Gruppen kleiner und die Spielplätze durch Flatterband abgegrenzt sind: am Montag waren alle Kinder einfach nur glücklich.

Es ist eine kleine Not in dieser Zeit, die wir mit gemeinsamer Anstrengung und gegenseitigem Verständnis lindern können.

Darauf legt auch Lukas seinen Schwerpunkt: Die Gemeinschaft handelt situativ mit den Möglichkeiten Einzelner zum Wohle aller. Jede und jeder kann sich da miteinbringen, ob durch Gebet, Zeit, Arbeit, Spende, Kirchensteuer oder Besitz. Gemeinsam ist vieles möglich: Da können sich Himmel und Erde berühren. Amen.

Andacht to go für den Trinitatissonntag, 7. Juni 2020, von Pfrin. T. Schäfer

Liebe Gemeinde,

heute am Tag der Dreifaltigkeit unseres Gottes feiern wir die Taufe von Thilo Ullrich. Wir freuen uns und wünschen ihm und seiner Familie Gottes Segen. Mit seiner Taufe kommen wir auch unserer Beauftragung durch Jesus nach:

16 Aber die elf Jünger gingen nach Galiläa auf den Berg, wohin Jesus sie beschieden hatte. 17 Und als sie ihn sahen, fielen sie vor ihm nieder; einige aber zweifelten. 18 Und Jesus trat herzu, redete mit ihnen und sprach: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. 19 Darum gehet hin und lehret alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes 20 und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. (Matthäus, Kap. 28)

Gleichzeitig erinnern wir uns auch an unsere eigene Taufe. Zumeist brachten uns unsere Eltern vor vielen Jahren zur Taufe in die Kirche und erbaten Gottes Segen für uns. Wir wurden getauft in den Namen des dreieinigen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Mit der Taufe wurde uns zugesagt, dass uns nun nichts und niemand mehr von unserem Gott trennen kann. So beschreibt es auch Paulus:

38 Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, 39 weder Hohes noch Tiefes noch irgendeine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn. (Römerbrief, Kap. 8)

Gott bleibt uns zugewandt, auch wenn wir das nicht immer spüren mögen und in Zeiten der Krise an unsere Grenzen kommen. Dann aber wollen wir uns an unserer Taufe festhalten und auf Gottes Nähe vertrauen. Er ist unsere Zuflucht, und er möge uns kräftigen und segnen, unser Gott, der Vater, Sohn und Heilige Geist. Amen.

 

Predigt to go an Pfingstsonntag, 31.5.20, von Pfrin. Tamara Schäfer

 

Liebe Gemeinde,

vor zwei Wochen wurde der Sänger Udo Lindenberg 74 Jahre alt. Bekannt nicht nur durch den „Sonderzug nach Pankow“, sondern auch durch etliche andere Lieder, Konzerte und seine Bilder. Ein Mann, der mit seiner typischen Art und seinem Werdegang Geschichte geschrieben hat. Warum? Weil er sein Ding macht, egal was die anderen sagen, so beschreibt er es selbst 2008 in seinem Lied „Mein Ding“, (https://youtu.be/lpNn0J_3658) weil er Songs auf Deutsch verfasste und deutsche Rockmusik wieder in die Charts brachte, weil er neue Wege wagte und dabei auch einiges riskierte.

Heute geht es im Predigttext nicht um ihn, aber auch um einen, der sein Ding machte, der Neues wagte und sich nicht davon beeindrucken ließ, was die anderen sagten. Es ist Petrus, der an Pfingsten sein Ding macht. Auch wenn es zunächst nicht danach aussieht. Denn lange sitzt Petrus sozusagen im Dunklen, in seiner Stube, mit den anderen, die nicht weiterwissen. Erst stirbt Jesus, dann wird er auferweckt und ist wieder da, isst und trinkt mit den Jüngern, segnet sie und gibt ihnen den Auftrag, in die Welt hinaus zu gehen. Dann wird er vor ihren Augen entrückt und in den Himmel aufgehoben; wieder fehlt er ihnen. Was sollen Petrus und die anderen da noch glauben, auf wen noch hoffen? Ratlosigkeit und Kraftlosigkeit machen sich breit. Einzig das Zusammensein in Jerusalem hält sie beieinander und bei Jesus.

Aber dann: Schawuot, das Wochenfest, das erste Erntefest der Juden und das Fest der Offenbarung der guten Gesetze Gottes, der Tora. Für Petrus der pentekoste, der 50. Tag nach Ostern – der Pfingsttag. Nun endlich geschieht, was vorhergesagt war und was keiner mehr glaubte: Gott zeigt sich als ein Geist, der den Herzen Beine macht.

Wir hören Worte aus der Apostelgeschichte, Kap. 2 (Basisbibel):

1Dann kam der Pfingsttag. Alle, die zu Jesus gehört hatten, waren an einem Ort versammelt. 2Plötzlich kam vom Himmel her ein Rauschen wie von einem starken Wind. Das Rauschen erfüllte das ganze Haus, in dem sie sich aufhielten. 3Dann erschien ihnen etwas wie züngelnde Flammen. Die verteilten sich und ließen sich auf jedem Einzelnen von ihnen nieder. 4Alle wurden vom Heiligen Geist erfüllt. Sie begannen, in fremden Sprachen zu reden – ganz so, wie der Geist es ihnen eingab. 5In Jerusalem lebten auch fromme Juden aus aller Welt, die sich hier niedergelassen hatten. 6Als das Rauschen einsetzte, strömten sie zusammen. Sie waren verstört, denn jeder hörte sie in seiner eigenen Sprache reden. 7Erstaunt und verwundert sagten sie: »Sind das denn nicht alles Leute aus Galiläa, die hier reden? 8Wie kommt es, dass jeder von uns sie in seiner Muttersprache reden hört? 9Wir kommen aus Persien, Medien und Elam. Wir stammen aus Mesopotamien, Judäa, Kappadozien, aus Pontus und der Provinz Asien, 10 aus Phrygien und Pamphylien. Aus Ägypten und der Gegend von Zyrene in Libyen, ja sogar aus Rom sind Besucher hier. 11Wir sind Juden von Geburt an und Fremde, die zum jüdischen Glauben übergetreten sind. Auch Kreter und Araber sind dabei. Wir alle hören diese Leute in unseren eigenen Sprachen erzählen, was Gott Großes getan hat.« 12Erstaunt und ratlos sagte einer zum anderen: »Was hat das wohl zu bedeuten?« 13Wieder andere spotteten: »Die haben zu viel neuen Wein getrunken!«

Das Rauschen des Geistes und das Reden der Jünger in verschiedenen Sprachen treibt die Menschen auf die Straßen. Es sind Menschen aus den verschiedensten Ländern, die da zusammenkommen und jeder hört die Jünger in seiner eigenen Sprache reden. Petrus nun fasst sich ein Herz und traut sich was. Er tritt vor die versammelte Menge, die sich wundert und spottet, und predigt die Umkehr zu Gott. Jetzt macht er sein Ding und ruft ihnen mit lauter Stimme zu: 14 … »Ihr Männer von Judäa! Bewohner von Jerusalem! Lasst euch erklären, was hier vorgeht, und hört mir gut zu! 15Diese Leute sind nicht betrunken, wie ihr meint. Es ist ja erst 9 Uhr am Morgen. 16Nein, was hier geschieht, hat der Prophet Joel vorhergesagt: 17›Gott spricht: Das wird in den letzten Tagen geschehen: Ich werde meinen Geist über alle Menschen ausgießen. Eure Söhne und eure Töchter werden als Propheten reden. Eure jungen Männer werden Visionen schauen und eure Alten von Gott gesandte Träume träumen. 18Über alle, die mir dienen, Männer und Frauen, werde ich in diesen Tagen meinen Geist ausgießen. Und sie werden als Propheten reden.

Mit diesen Worten macht er sein Ding, spricht frei heraus, wozu er berufen ist. Er stört sich nicht am Spott von einigen, er zeigt keine Furcht vor der großen Menge, sondern predigt aus seinem Herzen heraus. Und was passiert? 37Mit seinen Worten traf Petrus die Zuhörer mitten ins Herz. Sie fragten ihn und die anderen Apostel: »Ihr Brüder, was sollen wir tun?« 38Petrus antwortete ihnen: »Ändert euer Leben! Lasst euch alle taufen auf den Namen von Jesus Christus. Dann wird Gott euch eure Schuld vergeben und euch den Heiligen Geist schenken. 39Diese Zusage gilt für euch und eure Kinder. Und sie gilt für alle Menschen, die jetzt noch fern sind. Denn der Herr, unser Gott, wird sie zum Glauben an Jesus hinzurufen.« 41Viele nahmen die Botschaft an, die Petrus verkündet hatte, und ließen sich taufen. Ungefähr 3000 Menschen kamen an diesem Tag zur Gemeinde dazu.

Petrus, der als Menschenfischer einst von Jesus in die Nachfolge berufen wurde, fischt Menschen und sammelt sie in einer Gemeinde. Von Jerusalem ausgehend beginnt die Geschichte der weltweiten Kirche. Entstanden dadurch, dass Petrus im Namen Gottes sein Ding macht. Petrus hat es geschafft, er hat seine Berufung zum Menschenfischer und seinen Auftrag von Jesus „Weide meine Schafe!“ durchgezogen. „Wow“ möchte ich sagen, denn mutig und offen schreitet Petrus dabei voran. Doch der Weg bis dahin verlief alles andere als aalglatt, er war steinig. Und oftmals ist es auch ein langer Weg, bis man „seins“ machen kann. Doch dann trifft es ihn wieder, sein Ding, für das er von Gott gebraucht wird. Denn Gott braucht Menschen, die ihn bezeugen. Dafür müssen wir nicht wie Petrus sein, wir können zeigen: Wir vertrauen und hoffen auf mehr als nur den eigenen Geist. Wir vertrauen auf Jesu Geist und bitten um sein Wirken, damit wir als Christinnen und Christen unser Ding machen können. Denn dazu werden wir von Gott gebraucht. Hier vor Ort als Gemeinde.

Das ist in Zeiten von Corona eine echte Herausforderung. Da geht es um Hygienekonzepte, Verantwortung für uns als Gemeindemitglieder, den Schutz der Nächsten und Eigenschutz, die Sicherstellung der Kinderbetreuung in der Kita unter bisher nie gekannten Auflagen, um neue Formate der Verkündigung wie Videoandachten, Predigt to go, Draußenandachten, Musik hören statt gemeinsam singen. Da geht es um den Kontakt zu den Altgewordenen per Telefon oder Geburtstagskarte. Doch an Petrus können wir sehen, es lohnt sich dranzubleiben, Durststrecken zu überwinden und weiterzumachen, denn in all dem verkünden wir unseren Herrn. Wer glaubt und hofft wie Petrus, der wird sein Ding machen. So besingt es auch Lindenberg in seinem Lied „Mein Ding“: Und Ich mach mein Ding, egal was die anderen sagen Ich geh meinen Weg, ob gerade ob schräg, das ist egal ich mach mein ding, egal was die anderen labern, … Wenn man davon überzeugt ist, muss man sein Ding machen. Auch Lindenberg gehört zu diesen Menschen. Er rockt für den Frieden und gegen rechte Gewalt, kritisiert Umweltzerstörung, soziale Missstände und engagiert sich in seiner Stiftung für die Verbindung von Hermann Hesses Dichtkunst mit der modernen Musik und für humanitäre Projekte in Afrika. In den 80ern bemühte er sich, mit seinem Panikorchester in der DDR aufzutreten, doch 1983 kam es nur zu einem streng überwachten Auftritt vor ausgewähltem Publikum im Ostberliner Palast der Republik. Mit seiner schnoddrigen Art, alltägliche Geschichten zu erzählen, bei denen er auch sein eigenes Alkoholproblem thematisierte, gehört er zu den wichtigsten Kulturschaffenden in Deutschland und seine Tonträger erreichten vielfach Gold-Status. Viele Musikerinnen und Musiker profitieren bis heute von seiner Pionierleistung. Und das alles, weil er nichts nachmachte, sondern sein Ding machte. Auch er erlebte wie Petrus Widerstände und Kopfschütteln, so heißt es in einer Strophe des Liedes „Mein Ding“: Und jetzt kommst du aus der Provinz, und wenn auch jeder sagt du spinnst, du wirst es genauso bringen,

machst auf die charmante Art mal elastisch, manchmal hart…

Auch sein Weg ist kein aalglatter, doch wie Petrus schuf er für viele andere nach ihm etwas Neues und Bleibendes. Verbunden mit Petrus bekommt sein Lied für uns eine ganz ermutigende Botschaft: Ja du machst dein Ding Egal was die ander'n sagen Du gehst deinen Weg. Also lasst uns als Gemeinde Jesu unser Ding machen, denn dazu ist Gottes Geist gekommen. Amen.

Andacht to go an Himmelfahrt (21. Mai 2020) von Pfr. I. Schäfer

 

Willkommen

Im Namen Gottes,

der diese Erde geschaffen hat,

der zu uns sprach in Jesus Christus

und dessen Geist uns nahe ist in allen Dingen. Amen.

Gebet

Gott, nimm uns auf in deinen Himmel,

der uns Raum gibt zum Leben

und der uns der Erde treu sein lässt.

Dein Himmel umschließt unser Leben

in seinen Höhen und Tiefen.

Schenke uns die Sehnsucht nach dem Himmel,

der Tod und Leben verbindet

in Jesus Christus.

Amen.

Schriftlesung (Lk 24, 50 ff.)- Jesu Himmelfahrt

50 Er führte sie aber hinaus bis nach Betanien und hob die Hände auf und segnete sie.

51 Und es geschah, als er sie segnete, schied er von ihnen und fuhr auf gen Himmel.

52 Sie aber beteten ihn an und kehrten zurück nach Jerusalem mit großer Freude

53 und waren allezeit im Tempel und priesen Gott.

Gedanken zu Himmelfahrt

Liebe Gemeinde,

wo kann ich Gott begegnen? Diese Frage habe ich mir in der zurückliegenden Zeit öfters gestellt, als wir keine Gottesdienste hier in unsrer Kirche feiern durften. Wo kann ich Gott finden, wenn die Kirche zu ist?

Bei einem Spaziergang im Wald oder abends in meinem Bett? Wenn ich die Hände zum Gebet falte und zur Ruhe kommen? Oder begegne ich Gott in meiner Nächsten? In einem guten Gespräch oder einer guten Tat?

Liebe Gemeinde, vielleicht haben sie sich diese Frage auch schon des Öfteren gestellt. Christi Himmelfahrt bietet sich förmlich dazu an, dieser Fragestellung nachzugehen, da an diesem Tag Jesus von der Erde in den Himmel wechselt. Aber was ist dann mit unseren schönen Kirchen, wenn Jesu nun im Himmel ist?

Im ersten Buch der Könige habe ich dazu einen aufschlussreichen Satz gefunden:

Aber sollte Gott wirklich auf Erden wohnen? Siehe, der Himmel und aller Himmel Himmel können dich nicht fassen - wie sollte es dann dies Haus tun, das ich gebaut habe?

Diesen Satz spricht Salomon, der Erbauer des ersten Tempels. Und er spricht diesen Satz in seinem ersten Gottesdienst.

Erstaunlich, oder? Er, der den ersten festen Ort der Gottesbegegnung, die erste Kirche gebaut hat, spricht diesen Satz, oder besser, diesen Zweifel aus:

„Siehe, der Himmel und aller Himmel Himmel können dich nicht fassen - wie sollte es dann dies Haus tun, das ich gebaut habe?“

Für mich bringt Salomon es damit heute auf den Punkt. Weder die Schöpfung noch der Tempel können Gott fassen!

Übertragen heißt dies für mich: Gott entzieht sich unserer Begrenztheit und unseren Vorstellungen. Durch Christi Himmelfahrt wird dies noch verstärkt. Denn an diesem Tag beendet Gott sein tragisches Gastspiel auf Erden. Die Zeit, in der er direkt sicht- und greifbar war.

Wo ist er jetzt, wenn er weder im Himmel noch auf Erden fassbar ist?

Jesus selbst hat für mich darauf eine Antwort gegeben: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“

Gott entzieht sich allen unseren Vorstellungen und Begrenzungsversuchen - das ist für mich Himmelfahrt. Keiner hat ihn für sich allein. Weder die Kirche noch die Natur oder der Himmel können ihn fassen. Bestenfalls hat er dort Fußspuren hinterlassen.

Aber überall dort, und das ist der Unterschied, können wir ihm begegnen. Es genügt schon, wenn zwei oder drei in seinem Namen versammelt sind. Amen.

Vater unser

Vater unser im Himmel. Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Segen

Der Herr segne dich und behüte dich.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir

und sei dir gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden. Amen.

 

Predigt to go am Sonntag Rogate, 17.5.20, von Pfrin. Tamara Schäfer

 

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit euch allen! (2. Kor 13, 13) Amen.

 

Liebe Gemeinde,

das Vaterunser ist für mich das Gebet der Gebete. Es umspannt die ganze Welt und das ganze Leben. Von der Taufe bis hin zur Beerdigung begleitet es uns, immer wieder das Vaterunser. Auch in den Tagen von Corona, ob analog, digital, zu lesen, zu tasten, zu sehen oder zu hören, immer wieder das Vaterunser. Es ist der Grundpfeiler unserer christlichen Existenz.

Angefangen aber hat es relativ unspektakulär: auf einem Berg vor einer großen Menge hält Jesus seine Predigt und beginnt mit den Seligpreisungen. Erst nach etlichen Unterweisungen kommt er auf das Beten zu sprechen. Seine einleitenden Worte dazu haben einen gewissen Knalleffekt, der die Aufmerksamkeit jetzt erhöhen soll.

Denn „… wenn ihr betet, sollt ihr nicht sein wie die Heuchler, die gern in den Synagogen und an den Straßenecken stehen und beten, um sich vor den Leuten zu zeigen … Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viele Worte machen. …

Sprich: Konzentration auf das Wesentliche ist gefragt, kein Geplapper, kein Zurschaustellen. Warum? „… euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet.“ Und darum bitte keine unnötigen Worte, sondern allein das Vaterunser.

Daher beziehen sich die drei ersten Bitten direkt auf Gott. „Dein Name werde geheiligt. 10 Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.“ Sie stellen zum einen die Heiligkeit Gottes heraus. Kein anderer, nichts anderes soll uns heilig sein und über uns bestimmen. Er ist der Herr des Lebens.

Zum anderen richten sie unseren Blick auf die Zukunft aus, Gottes Wille soll geschehen, sein Reich soll kommen. Die Welt, wie wir sie kennen, wird nicht so bleiben. Gottes Reich ist im Werden mitten unter uns. Wir können es spüren, wenn Trost, Liebe und Gottvertrauen unter uns gelebt werden, wenn die Ehrfurcht vor dem Leben mehr als der Profit zählt.

Danach geht es um das Notwendige, um das wir bitten sollen: das tägliche Brot, die Vergebung und die Abkehr vom Bösen. Das sind die drei Bitten, die sowohl Matthäus als auch Lukas überliefern.

Das tägliche Brot – es umfasst zuallererst unser Essen und Trinken und ist damit auch ein Zeichen für unsere Gemeinschaft untereinander. Angefangen bei denen, die die Zutaten für das Brot herstellen und liefern, über die, die es backen und verkaufen, hin zu uns, die es allein oder in Gemeinschaft essen. Angefangen bei denen, die Getränke produzieren, bis hin zu uns, die wir sie trinken.

Das tägliche Brot umfasst aber auch noch unsere Kleidung, ein Dach über dem Kopf und Hilfe in Krankheit und Not. Luther versteht unter „Brot“ auch einen gewissen Wohlstand, der mir mein Auskommen durch Besitz und Geld sichert, und dazu eine fromme Familie, eine gute Regierung, Frieden, gutes Wetter, gute Freunde und getreue Nachbarn.

Wir sehen: Das tägliche Brot, es ist mehr als nur satt zu sein, es umschreibt ein lebenswertes Leben, in einer gesicherten Existenz und in Frieden.

Darüber hinaus ist das Brot auch ein Symbol für Jesus Christus, aufgeschrieben vom Evangelist Johannes in der sog. Himmelsbrotrede Jesu:

„Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern.“ (Joh 6, 35) Er ist das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist, um der Welt das Leben zu geben. „Und dieses Brot“, sagt Jesus, „ist mein Fleisch, das ich geben werde für das Leben der Welt.“ (Joh 6, 51) „Wer mein Fleisch isst, der bleibt in mir und ich in ihm …, der wird leben in Ewigkeit.“ (Joh 6, 56.58)

Zu fassen bekommen wir dies im Abendmahl, indem Jesus sich selbst schenkt. Hier halten wir im Brot, das wir essen, die Fülle des Lebens in unseren Händen: Jesu Leben und unser Leben, das irdische und das ewige Leben, leibliches und geistliches Leben. Auch hier spüren wir, dass das tägliche Brot mehr ist, als nur satt zu sein.

Nach dem täglichen Brot ist die Vergebung der Schuld die nächste Bitte. Sie hat die eigenen Sünden und Entfernungen von Gott vor Augen und erkennt die eigene Schuld an. Meist lässt sich nicht rückgängig machen, was wir einander angetan haben. Dann brauchen wir die Vergebung des anderen und die Vergebung durch Gott, weil wir an beiden schuldig geworden sind.

Zugleich ist die Vergebung damit verbunden, wie wir unseren Schuldigern vergeben. Es bleibt also nicht bei einer Einbahnstraße, sondern erfordert auch von uns die Bereitschaft zur Vergebung und zum Neuanfang, indem auch wir lernen, dem anderen zu vergeben. Denn Vergebung funktioniert nur in beide Richtungen.

Und schließlich legt uns Jesus noch eine letzte Bitte ans Herz: Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Die Versuchung wird hier mit dem Bösen zusammengebracht und negativ bewertet. Es geht um zerstörerische Kräfte, die nicht dem Leben dienen, sondern ihm schaden. Die Versuchung ist also nichts Harmloses wie ein Stückchen Schokolade am Abend. Es geht um Versuchungen, die uns und andere in Gefahr bringen können, wenn wir ihnen nachgeben.

Je länger aktuell z.B. die Maskenpflicht bleibt, umso größer wird die Versuchung, die Abstände nicht weiter einzuhalten. Je länger wir in unseren gewohnten Freiheiten eingeschränkt bleiben, umso größer wird die Versuchung, dagegen zu rebellieren oder Verschwörungen zu wittern. Geben wir hier nach, dann wird die Zahl neuer Infektionen wieder steigen.

Mit Corona ist unser „immer höher und weiter“ rapide zum Stillstand gekommen und wir merken nicht nur, was uns momentan fehlt oder einschränkt. Wir merken auch, wie sich z.B. die Natur erholt, manche Städte endlich wieder durchatmen können oder das Wasser in Venedig wieder klar ist. Wir spüren wie wertvoll es ist, wenn wir einander begegnen können, wenn sich andere um uns kümmern und uns ihre Aufmerksamkeit schenken.

Werden wir unter der Krise lernen, einen anderen Blick zu bekommen? Werden wir die Zeit nutzen können, um unsere Wirtschaft und unseren Lebensstil nachhaltiger auszurichten? Momentan stimmt es mich doch sehr nachdenklich, wenn nach Prämien für den Kauf von Dieseln und Benzinern gerufen wird, gleichzeitig aber im Bereich der Schulen und ihrer digitalen Ausstattung großer Nachholbedarf herrscht.

Die Versuchungen, denen wir gegenüberstehen, sind vielfältig: Wohlstandswahrung, Gewinnmaximierung, Gier und auch Bequemlichkeit erschweren Veränderungen und geben den zerstörerischen Kräften immer wieder neuen Raum.

Daher ruht die Hoffnung auf der Erlösung vom Bösen, darauf, dass Gott doch eingreifen möge und uns den Weg weist. Das Vaterunser erkennt realistisch an, dass wir Hilfe und Orientierung im Leben brauchen und bietet sie uns im Vater an.

Und so wird unser Blick am Ende des Vaterunsers noch einmal auf Gott gelenkt: auf sein Reich, seine Kraft und seine Herrlichkeit, die gilt in Ewigkeit. Hier wird Gott noch einmal kraftvoll und mächtig beschrieben und gepriesen.

Und so komme ich mit diesen kraftvollen Worten noch einmal auf den Anfang des Vaterunsers zu sprechen. „Abba, lieber Vater!“ oder „Papa!“ so vertraut spricht Jesus mit Gott. Der mächtige Herr des Lebens kommt mir so nah.

Unser Vater ist im Leben Jesu als lebensschaffende Macht ganz nah. Durch ihn heilt Jesus Kranke, weckt er Tote auf, vergibt er Schuld und schenkt neue Perspektiven. Unser Vater ist als der Treue ganz nah. Er verschont Jesus nicht von Hohn und Versuchung, Leid und Tod. Doch er bleibt ihm treu und geht mit ihm durch den Tod hindurch ins Leben. Darin erweist sich unser Vater als der Heilige und Allmächtige.

Dies vor Augen staune ich immer wieder darüber, wie nahe uns Gott kommt. Er selbst als unser Vater und mit ihm Jesus Christus als unser Bruder. Da gibt es keinen Unterschied mehr zwischen uns, jede und jeder ist Gottes Kind und wir sind durch ihn Schwestern und Brüder.

 

Mit dem Vaterunser verbinden wir uns miteinander und richten unseren Blick nicht nur auf unseren Vater im Himmel, sondern auch auf unsere Bedürfnisse und Anfechtungen. Es schenkt Orientierung und Trost, Hoffnung und Zukunft und damit ist es für mich das Gebet der Gebete.

Amen.

 

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. (Phil 4, 7) Amen.

Andacht to go am 10. Mai 2020, Sonntag Kantate 

Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder! von Pfrin. Tamara Schäfer

 

Willkommen

Im Namen des Schöpfers dieser Erde. Im Namen Jesu, des Christus.

Im Namen seines lebenschaffenden Geistes. Amen.

 

Psalmgebet

Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder.

Er schafft Heil mit seiner Rechten und mit seinem heiligen Arm.

Der Herr läßt sein Heil kundwerden;

vor den Völkern macht er seine Gerechtigkeit offenbar.

Er gedenkt an seine Gnade und Treue für das Haus Israel,

aller Welt Enden sehen das Heil unsres Gottes.

Jauchzet dem Herrn, alle Welt, singet, rühmet und lobet!

Lobet den Herrn mit Harfen, mit Harfen und mit Saitenspiel!

Mit Trompeten und Posaunen jauchzet vor dem Herrn, dem König!

Das Meer brause und was darinnen ist, der Erdkreis und die darauf wohnen.

Die Ströme sollen frohlocken, und alle Berge seien fröhlich vor dem Herrn;

denn er kommt, das Erdreich zu richten.

Er wird den Erdkreis richten mit Gerechtigkeit und die Völker, wie es recht ist. (Ps 98,1-9)

 

Wir singen dem Herrn ein neues Lied:

1. Ich sing dir mein Lied - in ihm klingt mein Leben. Die Töne, den Klang hast du mir gegeben von Wachsen und Werden, von Himmel und Erde, du Quelle des Lebens. Dir sing ich mein Lied.

4. Ich sing dir mein Lied - in ihm klingt mein Leben. Die Höhen und Tiefen hast du mir gegeben. Du hältst uns zusammen trotz Streit und Verletzung, du Freundin des Lebens. Dir sing ich mein Lied.

5. Ich sing dir mein Lied - in ihm klingt mein Leben. Die Töne, den Klang hast du mir gegeben von Zeichen der Hoffnung auf steinigen Wegen, du Zukunft des Lebens. Dir sing ich mein Lied.                                                                                                                     (aus EG +96) (https://youtu.be/q1QVv25_L2M)

 

Predigt

Liebe Gemeinde,

das gottesdienstliche Leben erhält wieder Einzug in der Martinskirche. Am 17. Mai wollen wir nach vielen Wochen wieder gemeinsam Gottesdienst feiern. Damit das gelingen kann, setzen wir gerade die vorgegebenen Schutzmaßnahmen um. Das heißt konkret: Alle müssen auf den gebotenen Sicherheitsabstand zueinander achten und einen Mund-/Nasenschutz tragen. Jede und jeder desinfiziert sich zu Beginn des Gottesdienstes die Hände und wird in eine Teilnehmerliste eingetragen. Die Stühle werden in einem Abstand von 1,5 m zueinander gestellt und die Empore bleibt außer für unsere Organistinnen geschlossen. Wer leider keinen Platz mehr bekommen hat, kann sich am Kasten gerne die Andacht to go mit nach Hause nehmen. 

 

Um die Ansteckungsgefahr weiterhin zu minimieren, werden keine Gesangbücher benutzt außer der eigenen. Auch das gemeinsame Singen unterbleibt, aber stattdessen können wir mit Orgel und Co. mitsummen. Hat jede und jeder Platz genommen, kann es endlich losgehen.

 

Endlich sind wir wieder in der Kirche beieinander. Endlich können wir wieder gemeinsam Gott loben und das Evangelium live hören. Heute ist es ein Teil der Erzählung über den Einzug Jesu in Jerusalem:

Und als er (Jesus) schon nahe am Abhang des Ölbergs war, fing die ganze Menge der Jünger an, mit Freuden Gott zu loben mit lauter Stimme über alle Taten, die sie gesehen hatten, und sprachen: Gelobt sei, der da kommt, der König, in dem Namen des Herrn! Friede sei im Himmel und Ehre in der Höhe! Und einige von den Pharisäern in der Menge sprachen zu ihm: Meister, weise doch deine Jünger zurecht! Er antwortete und sprach: Ich sage euch: Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien.                                                             (Lukas 19, 37-40)

Jesu Jünger sind voll des Lobes über Gott und seine Werke. Lautstark und aus vollem Herzen loben sie Gott, sie freuen sich über Jesu Ankunft in Jerusalem und preisen ihn als König, auch wenn das den Pharisäern gar nicht zu schmecken scheint. Keiner der Jünger macht sich Gedanken darüber, wie das bei den Umherstehenden ankommt. Nein, dafür ist kein Raum. Denn endlich ist es soweit, Jesus ist da, und darum allein geht es – lautstark und voller Freude. Auch Jesus weigert sich, seine Jünger zurückzuhalten oder zurecht zu weisen. Er schränkt ihr Lob nicht ein, weder an Überschwang noch an Lautstärke. Nein, alle Welt soll es hören: Er kommt!

 

Genau das wollen auch wir schon bald in unserer Martinskirche feiern, dass Jesus da ist und wir ihn wieder gemeinsam in seinem Haus loben können. Lautstark verkünden es die Glocken zu Beginn des Gottesdienstes: Wir feiern unseren Gott! Gemeinsam mit dem Volk Israel verkünden es die Worte des Psalms: „Jauchzet dem Herrn, alle Welt, singet, rühmet und lobet!“ Mit Jesu Jüngern rufen wir: „Gelobt sei, der da kommt, der König, in dem Namen des Herrn!“

Welche Freude, bald wieder in der Kirche sein zu können: in diesem heiligen Raum im Angesicht des Altars zu sitzen, den Glanz der Sonne in den bunten Fenstern zu sehen, die neue Osterkerze zu betrachten, sich den Sieg Jesu über den Tod und alle Finsternis zu vergegenwärtigen und der Orgel zu zuhören.

Unser Lob soll nicht verstummen, egal, ob wir wieder Gottesdienst in der Kirche feiern oder wie in der vergangenen Zeit per Videoandacht und Homepage miteinander verbunden sind. Denn Jesus sagt: „Wenn diese (seine Jünger) schweigen werden, so werden die Steine schreien.“ In den letzten Wochen hat die Gemeinde im Kirchenraum geschwiegen, aber die Steine und Mauern unserer Martinskirche haben förmlich geschrien. Denn sie haben gepredigt ganz ohne Pfarrerin und Pfarrer: haben uns stets vor Augen gehalten, woran unser Herz hängt und auf wen wir vertrauen, ließen uns immer wieder darauf hoffen, dass sich die Türen auch irgendwann wieder für uns als Gemeinde öffnen würden. Sie zeigen uns jeden Tag auf’s Neue: Ich, euer Gott, bin mitten unter euch.

Und nun ist es dank geringer Infektionszahlen endlich soweit: behutsam und den Schutz der Nächsten und von uns selbst im Blick geht es wieder los. Dafür danke und lobe ich unseren Gott. Amen.

 

Lasst uns beten:

Guter Gott, ein frohes und dankbares Lied fällt uns nicht immer leicht. Oft bricht die Klage und Sorge in unsere Freude ein. Aber deine Treue ist alle Morgen neu, du bist bei uns auch in den Tagen der Not, der Hoffnungslosigkeit und des Schmerzes. Darum preisen wir deine Barmherzigkeit und singen dein Lob. Wir denken auch an die Menschen, denen Leid und Sorgen den Mund verschlossen haben; die nicht singen, sondern seufzen; die nicht loben, sondern weinen. Wir denken an die Mutlosen, die Einsamen, die Kranken, die Trauernden. Wir bitten dich: Lass auch sie wieder einstimmen in das Lied des Glaubens und der Hoffnung.

Vater unser im Himmel …

 

Sei gesegnet:

Der Herr behüte dich vor allem Übel, er behüte deine Seele.

Der Herr behüte deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit. (Ps 121,7-8)

Amen.

Andacht to go zum Sonntag Jubilate, 3.5.20, von Pfr. Ingo Schäfer

 

Willkommen

Osterzeit,

die Schöpfung singt ein neues Frühlingslied,

weckt blühendes Leben.

Ungewohntes hören und sehen

im Übergang vom Dunkel zum Licht,

vor uns der neue Tag.

Ostern erzählt,

dass in der Dunkelheit des Todes

das Licht des Lebens aufgeht

wie am ersten Schöpfungstag.

 

Gebet

Gott, deine Schöpfung wird neu in Christus.

Im Wort für die neue Woche heißt es:

Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur;

das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.   

Wir bitten dich:

Überwinde unsere Vergangenheit.

Löse uns aus dem alten Denken.

Verwandle uns durch Christus, den Auferstandenen,

der mit dir lebt in Ewigkeit.

Amen.

 

Liebe Gemeinde,

es ist Mai. Alles grünt und blüht. Es ist Zeit, Gott für die wunderbare Schöpfung zu danken.

Und dies geht am besten mit einem Lied. Doch nicht mit irgendeinem Lied, sondern mit dem Lied „Wie lieblich ist der Maien“. Dieses Lied, dessen Melodie von dem Schmalkalder Johann Steuerlein stammt, ist eine Übertragung des 104. Psalms. Tauchen Sie mit mir gemeinsam in diese Welt des Schöpfungslobes ein. Gerne können Sie dabei die vorgestellten Strophen singen.

1. Wie lieblich ist der Maien aus lauter Gottesgüt,

des sich die Menschen freuen, weil alles grünt und blüht.

Die Tier sieht man jetzt springen mit Lust auf grüner Weid,

die Vöglein hört man singen, die loben Gott mit Freud.

Wohl dem Menschen, der sich in dieser Zeit an der schönen Natur erfreuen kann. Der mit wachem Auge sieht, was um uns herum neu erschaffen wird. Der nicht nur in den Gedanken um den Virus und seine Auswirkungen gefangen ist, sondern das Wunder des Lebens in dieser Zeit erkennt.

Ich nehme mir jeden Tag Zeit, dies bewusst zu erleben. Ich setze mich mit meiner Frau in unserem schönen Garten und lausche dem Gesang der Vögel. Ich freue mich und bin dankbar über das frische Grün und das neue Leben um mich herum. Ich möchte einstimmen in die Worte des 104 Psalm:

HERR, wie sind deine Werke so groß und viel! Du hast sie alle weise geordnet, und die Erde ist voll deiner Güter.

2. Herr, dir sei Lob und Ehre für solche Gaben dein!

Die Blüt zur Frucht vermehre, laß sie ersprießlich sein.

Es steht in deinen Händen, dein Macht und Güt ist groß;

drum wollst du von uns wenden Mehltau, Frost, Reif und Schloß.

In der jungen Natur kommt einem leicht ein Lob Gottes über die Lippen. Alles ist noch so frisch und neu. Doch beim Loben kann es nicht bleiben. Wer selbst einen Garten hat, der weiß, wie mühsam es sein kann, dass aus der Blüte eine Frucht entsteht. Viel Fürsorge ist notwendig, damit alles gut gedeihen kann. Aber vor allem ist Gottes Segen notwendig, der seine Schöpfung jeden Tag erhält. Um diesen möchte ich jeden Tag neu bitten, dass er ihn uns geben möge.

3. Herr, laß die Sonne blicken ins finstre Herze mein,

damit sich's möge schicken, fröhlich im Geist zu sein,

die größte Lust zu haben allein an deinem Wort,

das mich im Kreuz kann laben und weist des Himmels Pfort.

Jetzt, liebe Gemeinde, verlassen wir die Natur im Frühling und wenden den Blick auf uns selbst. So wie die Natur die Sonne zum Wachstum benötigt, so brauchen auch unser Herz und Gemüt Licht und Wärme. Wir finden dieses Licht und diese Wärme in dem Wort Gottes. In dem Zuspruch, dass Gott an meiner Seite ist und mich durchs Leben begleiten will. Wir finden dieses Licht in der Aussicht, dass wir am Ende der Tage zu Gott nach Hause kommen dürfen. 

4. Mein Arbeit hilf vollbringen zu Lob dem Namen dein

und laß mir wohl gelingen, im Geist fruchtbar zu sein;

die Blümlein laß aufgehen von Tugend mancherlei,

damit ich mög bestehen und nicht verwerflich sei.

Und noch einmal wird die Blickrichtung geändert. Haben wir uns vorher am Wort Gottes und seiner Orientierungskraft im Jetzt und in der Ewigkeit erfreut, so fällt der Blick nun auf meine tägliche Arbeit. Die letzte Strophe ist nicht anderes als eine Bitte um den Segen für mein Tagwerk. Gott möge zu meinem Wollen und Verbringen seinen Segen geben. Denn wie die Pflanze ohne Gottes Segen verdorrt, so ist unser Werk ohne Gottes Segen unnütz.

Schön ist es, dass der Lieddichter in den letzten beiden Liedzeilen noch darum bittet, dass er anständig sein möge. Eine Bitte, die man sich in der Öffentlichkeit nicht mehr auszusprechen traut. Eine Bitte, die sich dennoch lohnt, immer wieder vor Gott auszusprechen, da unser Leben ständig in Gefahr steht, vom rechten Weg abzukommen.

Amen

(Text: Martin Behm (1604) 1606, Melodie: Johann Steurlein 1575; geistlich Nürnberg 1581)

 

Vater unser

Vater unser im Himmel. Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille gesche-he, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, son-dern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

 

Segen

Der Herr segne dich und behüte dich.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir

und sei dir gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden. Amen.

Predigt to go für Sonntag, den 26.4.20, von Pfrin. Tamara Schäfer

 

Liebe Gemeinde,

heute steht Jesus als der gute Hirte gemeinsam mit uns, seinen Schafen, im Mittelpunkt des Sonntags Misericordias Domini – Barmherzigkeit des Herrn. Wir als Schafe können uns glücklich schätzen, solch einen Hirten zu haben:

  • einer, der uns durch sein eigenes Leben Vorbild ist
  • einer, dessen Stimme wir immer wieder hören und verkündigt bekommen
  • einer, der für jedes einzelne Schaf höchst persönlich da ist
  • einer, der sein eigenes Leben sogar hingegeben hat, um uns das ewige Leben zu geben.

Aber mit den Schafen, also uns Menschen, ist das so eine Sache. Keine und keiner von uns gleicht der oder dem anderen und neben Harmonie und Nächstenliebe gibt es eben auch Neid und Streit, Zweifel und Ängste. Immer wieder geht der Blick nach rechts und links um auszuloten, was andere haben und ich nicht, was andere können und ich nicht, was andere schon erreicht haben und ich nicht, wie andere wertgeschätzt werden und ich nicht.

 

Vergleiche ich mich mit anderen, fällt mir auf, was ich nicht habe und was mir daher fehlt. Und wenn ich mir lange genug gesagt habe, was ich nicht habe, kann es sein, dass ich bald beginne, es zu vermissen. Ich werde unzufrieden und mache mir Gedanken darüber, was ich vielleicht falsch gemacht oder schon verpasst habe. Und es schleichen sich Fragen ein: Was wäre, wenn ich … - ginge es mir dann nicht besser? Warum hat der … und ich nicht? Zum Vergleich mit anderen kann vieles gehören: ein eigenes Haus, ein großes Auto, eine gut bezahlte Arbeit, eine steile Karriere, schöne Urlaube, Anerkennung an der Arbeitsstelle, stets gesund und fröhlich, ein fester Glaube, Harmonie in der Familie, ein treuer Freundeskreis… Was davon sehe ich bei anderen? Was hat er oder sie - was habe ich? Als ob das nicht schon genug wäre, schleicht sich dazu immer wieder der Gedanke ein: Na, dann muss es der oder dem ja auch wirklich besser gehen als mir.

 

Besonders in Zeiten von Krisen wie gerade jetzt oder in Krankheit, bei familiären Streitigkeiten oder finanziellen Einbrüchen neigen wir dazu, uns mit anderen zu vergleichen. Wir fragen, warum trifft es uns? Warum muss ich leiden, während es andere besser haben? Und verbunden damit frage ich: Wo finde ich dann Halt und Zuflucht?

 

Ähnliche Fragen haben sich wohl auch die frühen christlichen Gemeinden gestellt, nachdem das Reich Gottes nicht mit glanzvollen Zeichen angebrochen war, sondern Verfolgung und Schikanierung der christlichen Gemeinden an der Tagesordnung waren. Denn für das Bekenntnis zu Christus nahmen sie mitunter nicht nur persönliche Schwierigkeiten, sondern auch ernsthafte Bedrohungen bis zum Tod auf sich. Ihr Glaube war nicht anerkannt, und so ging es ihnen im Vergleich zu anderen schlecht. Sie litten darunter und suchten Halt und Zuflucht. Unter ihnen machte sich Zweifel breit. Manche waren vielleicht auch schon kurz davor zu resignieren.

 

In dieser Situation erreicht die Gemeinden ein Brief, autorisiert durch den Apostel Petrus: Christus hat für euch gelitten und euch ein Vorbild hinterlassen, dass ihr sollt nachfolgen seinen Fußstapfen; er, der keine Sünde getan hat und in dessen Mund sich kein Betrug fand; der, als er geschmäht wurde, die Schmähung nicht erwiderte, nicht drohte, als er litt, es aber dem anheimstellte, der gerecht richtet; der unsre Sünden selbst hinaufgetragen hat an seinem Leibe auf das Holz, damit wir, den Sünden abgestorben, der Gerechtigkeit leben. Durch seine Wunden seid ihr heil geworden. Denn ihr wart wie irrende Schafe; aber ihr seid nun umgekehrt zu dem Hirten und Bischof eurer Seelen. (1. Petrusbrief 2,21b-25)

 

Petrus deutet Leid und Schwierigkeiten als einen der Wege, Christus nachzufolgen und ihm nahe zu sein. Jesus fungiert hier als Vorbild. Sein Weg ist der Weg, den wir gehen sollen.

Wie das aussieht, beschreibt Petrus anhand von Jesu Verhalten: nicht lügen, nicht drohen oder schmähen. Denn Christus ist ausgestiegen aus dem ewigen Spiel „Wie du mir, so ich dir“. Von ihm heißt es, dass in seinem Mund „sich kein Betrug fand; der, als er geschmäht wurde, die Schmähung nicht erwiderte, nicht drohte, als er litt…“ (V.22.23).

 

Nicht betrügen und lügen, nicht mehr sein wollen, als ich bin, nicht immer wieder die glänzende Fassade polieren. Wie schwierig aber ist das geworden in einer Zeit, in der die meisten Bilder, die wir sehen, digital bearbeitet sind, in einer Zeit, in der der Schein mehr als das Sein gilt? Und wie schwierig ist es geworden, Fake-News von sachlicher Berichterstattung zu unterscheiden? Die Grenzen scheinen zu verschwimmen. Vielleicht reizt mich auch das, es weniger genau mit der Wahrheit zu nehmen? Doch Petrus hält uns Jesus vor Augen, „in dessen Mund sich kein Betrug fand“ (V.22), ja der von sich selbst sagt: „Ich bin … die Wahrheit“ (Joh 14,6). Verstecke ich mich nicht gerne auch hinter einer glänzenden Fassade? Traue ich mich, die Wahrheit zu sagen, auch wenn ich mich dadurch angreifbar mache?

 

Auch geht Petrus davon aus, dass erfahrene Schmähungen und Beleidigungen zu ähnlich gelagerten Erwiderungen reizen. Auf solche Beleidigungen und Angriffe auf meine Person nicht in gleicher Weise zu reagieren, heißt, dem Drang danach nicht nachzugeben. Aber wie schnell ist mir eine entsprechende Antwort herausgerutscht. Statt die Beleidigung zu ignorieren und meinem Gegenüber den Wind aus den Segeln zu nehmen, verschärft sich die Lage nur. Petrus erinnert daher an Jesus. Er hat die Schmähungen ausgehalten und seinem Gegenüber keine weiteren Angriffsflächen geboten. Auch drohte Jesus nicht, als er litt, schreibt Petrus. Jesus lässt sich nicht dazu verleiten, sich von diesem Bösen überwinden zu lassen. Er vertraut auf das Wirken seines Vaters.

 

Petrus stellt uns Jesus hier als Vorbild dar. Seinen „Fußstapfen“ (V.21) sollen wir nachfolgen. Dazu ermutigt Petrus uns. Dass Christus für uns gelitten und uns ein Vorbild hinterlassen hat, das heißt mit den Worten des Petrus auch: Schaut auf Jesus Christus. Wenn ihr geschmäht oder beleidigt werdet, zahlt es nicht zurück. Harrt aus und zweifelt nicht. Denn Christus hat nicht nur für euch gelitten, er leidet auch mit euch. Wendet euch an ihn und schöpft Trost aus eurem Glauben. Denn euer Glaube schenkt euch Halt in Christus und Gemeinschaft untereinander.

 

Schaut nicht auf die anderen, denen es anscheinend besser geht, sondern schaut auf das, was euch ganz persönlich an Gutem geschenkt wurde. Christus will euer Hirte sein. Für euer Leben hat er euch seines vorgelebt. Dies zu erkennen und zu spüren, ist eine Gnade. Die Gnade, dass er um uns weiß, sich unserer annimmt und uns führt wie ein Hirte. Ja, er ist der Hirte unserer Seelen, schreibt Petrus.

 

Und so bitte ich: Herr Jesus Christus, sei du der Hirte unserer Seelen. Stärke und tröste uns in Leid und Entbehrung während der Coronakrise. Schenke uns immer wieder Zuversicht und Freude im Vertrauen auf dein Wirken. Fördere das umsichtige Miteinander unter uns bei allen Schutzmaßnahmen und Einschränkungen. Amen.

 
 

Predigt to go für Sonntag, den 19.4.20, von Pfrin. Tamara Schäfer

 

Liebe Gemeinde,

heute Morgen möchte ich Ihnen einen etwas anderen Zeugen der Auferstehung vorstellen, nicht Maria, keinen der Jünger, sondern einen ganz anderen: James Bond.

 

Nun James Bond ist ein Superheld, wie wir sagen. Er ist aber nur einer gewesen. In seinem vorletzten Film „Skyfall“, was so viel heißt wie Himmelssturz, stürzt James Bond wirklich ab: Zehn Minuten nach Beginn des Films erreicht er eine sehr hohe Eisenbahnbrücke, kämpft mit seinem Gegner – und erhält den entscheidenden Schlag. Er stürzt wie vom Himmel in einen Fluss und geht unter.

 

Aus dem Superhelden, der schon unzählige Male rasante Verfolgungsjagden, Schießereien, und Faustkämpfe überstanden hat, aus diesem quasi Unsterblichen, wird nun ein sterblicher Mensch. Er stürzt in den Fluss und geht unter. Schließlich wird er für tot erklärt.

 

Natürlich stirbt er nicht. Er überlebt, aber als sehr angeschlagener, verletzlicher und nachdenklicher Mensch. So kannte man James Bond bis dahin noch nicht. Er ist verwundbar geworden. So wirkt er auch, als er einige Zeit später seinem bösen Gegner Raoul Silva gegenübersitzt, natürlich gefesselt. Nichts Heldenhaftes ist mehr an ihm, alles scheint aussichtslos.

 

Entsprechend froh ist der böse Silva und verwickelt ihn in ein Gespräch. Bond überspielt seine Schwäche, indem er in den Plauderton verfällt und schließlich sagt: „Jeder Mensch braucht doch ein Hobby.“ Silva ist überrascht und fragt zurück: „Und was, Mister Bond, ist Ihr Hobby?“ Da schaut James Bond seinem Gegner fest in die Augen und sagt: „Auferstehung.“

 

James Bond glaubt an seine erneute Auferstehung. Warum er daran so fest glaubt, wird uns nicht erzählt. Wir sehen in seinen Filmen, dass er durchaus das Leben feiern kann. Und sich selbst mit. In ihm und hinter ihm ist eine Kraft, die er sich selbst kaum erklären, mit der er aber gut leben kann.

Bond tut, was Jesus sich wünscht, als er den Jüngern nach seiner Auferstehung erscheint. „Fangt an!“, sagt Jesus da, „und seid dafür Zeugen, dass ihr mich gesehen habt und immer eine Hoffnung da ist.“ Bond gibt sich selbst und seine Hoffnung nie auf.

 

Wie Jesu Jünger von dieser Hoffnung erfahren, erzählt Johannes in seinem letzten Kapitel:

19 Am Abend aber dieses ersten Tages der Woche, da die Jünger versammelt und die Türen verschlossen waren aus Furcht vor den Juden, kam Jesus und trat mitten unter sie und spricht zu ihnen: Friede sei mit euch! 20 Und als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen die Hände und seine Seite. Da wurden die Jünger froh, dass sie den Herrn sahen.

24 Thomas aber, einer der Zwölf, der Zwilling genannt wird, war nicht bei ihnen, als Jesus kam.

25 Da sagten die andern Jünger zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er aber sprach zu ihnen: Wenn ich nicht in seinen Händen die Nägelmale sehe und lege meinen Finger in die Nägelmale und lege meine Hand in seine Seite, kann ich's nicht glauben.

26 Und nach acht Tagen waren seine Jünger abermals drinnen, und Thomas war bei ihnen. Kommt Jesus, als die Türen verschlossen waren, und tritt mitten unter sie und spricht: Friede sei mit euch! 27 Danach spricht er zu Thomas: Reiche deinen Finger her und sieh meine Hände, und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!

28 Thomas antwortete und sprach zu ihm: Mein Herr und mein Gott!

29 Spricht Jesus zu ihm: Weil du mich gesehen hast, darum glaubst du? Selig sind, die nicht sehen und doch glauben! (Joh 20)

„Fangt an!“, sagt Jesus, „seid Zeugen dafür, was ihr seht und hört. Seid Zeugen der Hoffnung, die da ist.“ James Bond nimmt ihn beim Wort und nennt Auferstehung sogar sein „Hobby“. Immer wieder auferstehen und die Hoffnung nicht aufgeben.

 

Wir sind nicht James Bond. Wir haben keine körperlichen Superkräfte, aber wir haben andere Kräfte, um immer wieder anzufangen. Unsere größte Kraft ist unser Glaube an die Hoffnung, eine Hoffnung, die sich genau aus dem speist, was die Jünger Jesu erleben, aus der Gegenwart Jesu Christi. Seine Nähe und seine Liebe zu uns, die größer war als der Tod, das ist unsere Hoffnung. Er hat uns nicht zurückgelassen, sondern in seiner Auferstehung gezeigt, dass uns nichts von ihm trennen kann. Diese unverbrüchliche Beziehung zu ihm, das ist unsere Hoffnung.

 

In dieser Hoffnung kann jede und jeder James Bond sein, sozusagen ein James Bond der Hoffnung. Mein Hobby, meine Leidenschaft, das ist meine Hoffnung, die ich habe, dass ich in Christus auferstehen kann und das nicht erst, wenn ich schon tot bin. Nein, auferstehen kann ich auch jetzt schon.

 

Ich denke da z.B. an Herbert. Der war wie ein James Bond der Hoffnung. Gerade als er Rentner geworden war, ist seine Frau gestorben. Dabei wollten sie noch viel miteinander unternehmen. Aber der Krebs war schneller. Herbert hat viel geweint. Es hat lange gedauert, bis seine Tränen weniger wurden. Und er hat Folgendes gesagt: „Der Schmerz kann dich klein machen, aber die Hoffnung macht dich wieder groß.“ Wie überzeugt er davon war. Er hat sich nicht billig vertröstet, sondern sich seine Hoffnung bewahrt.

 

Das ist es, was uns heute an Herz gelegt wird. „Fangt an“, sagt Jesus, „seid meine Zeugen. Seid Zeugen der Hoffnung, die da ist.“ Wir dürfen uns unsere Furcht eingestehen, uns ehrlich zu ihr bekennen. Es ist keine Schande, sich im Leben zu fürchten. Es gibt Gefühle vom Ende mitten im Leben: jetzt während der Pandemie, nach einem Todesfall, in einer schweren Krankheit, beim Ende einer Liebe oder wenn eine Freundschaft zerbricht. Dann kann der Schmerz uns klein machen, aber die Hoffnung macht uns wieder groß.

 

Herbert hat erlebt, wie das gehen kann. Als Erstes hat er geahnt, dass er sich nicht aufgeben darf. Natürlich hat er auch ungetröstet wie die Jünger in seiner Küche gesessen und ins Leere hingeschaut. Und doch hat er seine Hoffnung nicht losgelassen. Er hat sich um sie gekümmert, sich wieder unter die Leute getraut, auch wieder einmal die Kirche besucht, obwohl er dabei nun nicht mehr neben seiner Frau sitzen konnte. Er hat seine Hoffnung nicht aufgegeben, bei aller Trauer und Furcht vor dem neuen Lebensabschnitt.

Dafür lebte etwas Neues auf an einer ganz anderen Stellen. Jemand bot ihm seine Hilfe an oder er erkannte, wer ihn brauchen könnte, und sei es nur ein bisschen. Da ist schon wieder ein wenig neues Leben. Oder ihm fiel auf, was er lange vernachlässigt hatte und worum er sich jetzt kümmern kann. Auch so ein Teilchen vom neuen Leben.

 

Weil es Hoffnung gibt und Gott Hoffnung schenkt, werde ich wieder ein wenig größer als meine Furcht und Sorge. Werde ich ein wenig wie James Bond, der aus seiner gefühlten Niederlage aufersteht. Ich sehe die Hoffnung, die in Christus gekommen ist. Ich sehe, dass er mich trägt. Und ich erinnere mich, wie Jesus seine Jünger auffordert und sagt: „Fangt an! Seid Zeugen der Hoffnung, die da ist.“

Wir wollen hoffen können. Wir wollen in Jesus Christus immer wieder neu auferstehen können. Dazu helfe uns, unser Herr Jesus Christus. Amen.

Predigt to go für Ostern 2020 von Pfarrerin Tamara Schäfer

 

Liebe Gemeinde,

 

Ostern schmeckt. Ostern schmeckt, nicht nur nach Schokohasen. Ostern schmeckt auf dem Weg, den die zwei Jünger schon gegangen sind. Sie haben Ostern geschmeckt. Zwei Jünger auf dem Weg nach Emmaus. Sie gehen einen einsamen Weg und ich höre ihre Worte:

„Nur weg von Jerusalem, weg von dem Ort, an dem uns alles an Jesus erinnert. Raus aus dem Trübsal von Karfreitag, weg von Jerusalem, wo die Hoffnung begann. Da, wo vor ein paar Tagen sein Königreich mit Palmen begrüßt wurde, ist heute die Hoffnungslosigkeit mit Dornen gekrönt. Wie kurz war die Zeit mit ihm und wie tief war unsere Hoffnung auf ein neues Reich – auf Gottes Reich. Dies ist mitten unter Euch, hatte er uns doch zugesagt. Drei Jahre sind wir mit ihm durch das sandige Land Galiläa gezogen. Ich werde nicht sterben, sondern leben, hören wir noch. Eher das Gegenteil ist doch eingetroffen. Und was ist uns nach seinem Tod geblieben. Wenn er schon nicht bleibt, was bleibt uns?“

 

Fragen - nichts als Fragen. Es sind vertraute Fragen: Warum musste das geschehen? Warum gerade mir? Wozu das alles? Was haben wir nur falsch gemacht? Wohin mit all meiner Liebe, wenn er oder sie nicht mehr da ist? Was habe ich noch in den Händen? Den Jünger zerrinnt ihre Weisheit. Wie der Sand auf dem Weg nach Emmaus durch ihre Hände zerrinnt. Wie gewonnen, so zerronnen. Nichts bleibt ihnen mehr. Nichts mehr hält, ja - nichts mehr hält die Jünger so richtig am Leben. Ihre Hoffnung ist mitgestorben, mit zerronnen wie der staubige Sand auf dem Weg nach Emmaus. Schritt für Schritt gehen sie von Jerusalem fort und lassen die Stadt hinter sich. Wenigstens gut, dass sie zu zweit sind. Gut, dass da ein Freund mitgeht und keiner allein ist. Ja, sie sind zu zweit. Und doch bleiben sie im Sand ihrer eigenen Fragen stecken. Sie leben in ihren Erinnerungen, erzählen sich die Geschichten, die einmal waren. Ihre Augen von Tränen gerötet und ihr Blick getrübt. Ihre Fragen halten sie in der Vergangenheit fest. Rückwärts gewandt sind sie noch immer in Jerusalem.

 

Sie sehen den fremden Mann, der mit einem Mal auf dem Weg auftaucht. Aber sie erkennen ihn nicht. Unscheinbar unauffällig und wie nebenbei geschieht nun ganz Wichtiges. Da nahte sich Jesus selbst und ging mit ihnen. Es ist der schönste und tröstlichste Satz dieser Geschichte. Nicht einfacher und nicht schlichter lässt sich sagen, was Ostern ist. Da nahte sich Jesus selbst und ging mit ihnen. Jesus geht mit den beiden Jüngern mit und fragt sie, fast wie ein Kind: „Was ist denn los mit Euch? Was ist passiert?“

Eine Frage, die den Jüngern einen neuen Weg eröffnet. Endlich können sie jemandem erzählen, der scheinbar nicht den Hauch einer Ahnung hat. Einfach reden können. Jemanden haben, der interessiert zuhört und nicht mit Ratschlägen das Erzählen erschlägt. Und ich denke nebenbei: Wohl den Menschen, die etwas davon spüren, wie wichtig uns das ist. Egal, wie alt oder jung wir sind, es ist wichtig, dass ich ernst genommen werde und mir jemand zuhört. Wohl den Menschen, die einander ausreden lassen, die einander zuhören und zusammengehören. Die Jünger schütten dem Fremden ihr Herz aus und machen ihren Fragen und ihrer Hoffnungslosigkeit Luft. Vom Kreuzestod bis hin zur unglaublichen Nachricht der Frauen, dass da kein Leichnam mehr im Grab sei, erzählen sie ihm alles. Und Jesus hört ihnen einfach nur zu.

Wie die Jünger den unauffälligen Jesus nicht erkennen, so erkennen sie nicht, dass Ostern ist. Und zwar genau da jetzt bei ihnen, in der Begegnung mit dem Auferstandenen. Da waren die Erklärungen Jesu auf dem gemeinsam zurückgelegten Weg nach Emmaus. Da war sein seine Unterweisung von Mose, allen Propheten und dem, was das Alte Testament von dem Messias ankündigt, nicht das letzte Wort. Alle theologischen Erklärungen, alles gute und richtige Nachdenken können Ostern nicht machen. Dass sei uns am Beispiel der Jünger gesagt: Jesus lebt, ob wir ihn erkennen oder nicht. Ostern ist, ob wir es sehen oder nicht. Die Geschichte der Emmausjünger zeigt uns: Es ist unscheinbar. Es geschieht unauffällig. Inmitten des Alltags. Ganz harmlos in einem kleinen Haus in Emmaus, beim Abendbrot: Und es geschah, als er mit ihnen zu Tisch saß, nahm er das Brot, dankte, brach’s und gab’s ihnen. Da wurden ihre Augen geöffnet, sie erkannten ihn. Endlich ist der Augenblick da, doch eh die beiden Jünger Luft holen und etwas zu Jesus sagen können, heißt es schon: Und er verschwand vor ihnen. Ende der Begegnung.

 

Unhöflich dieser Jesus. Frech dieser Mensch. Nimmt er sich einfach das Brot. Der Gast, gerade spontan eingeladen, benimmt sich als wäre er der Hausmann. Als hätte er sich die Mühe gemacht, das Brot zu backen. Und dann, als wäre er der Gastgeber, bietet er auch noch das Brot an, dankt dafür und verteilt es. Einfach, aber unerhört! So unerhört ist Ostern. Der Gast wird zum Gastgeber. Da geschieht etwas ganz entgegen unserer Gepflogenheiten. Nicht unser Verstand allein kann es ergreifen, aber wir können es mit den Händen greifen, ein Stück des Brotes.

 

Die Jünger haben Ostern geschmeckt. Denn Ostern will mit Leib und Seele erfasst werden. Der Geschmack von Ostern? Er ist nicht einfach süß und lieblich, sondern auch bitter. Denn er erinnert an schwere Wege, die wir vermeintlich alleine gehen und an den Tod. Vor allem aber ist der Geschmack von Ostern eine Verheißung. Denn Ostern hat die Auferstehung auf der Zunge. Ostern tröstet die zerbrochenen Herzens sind und will uns zeigen, wie Gemeinschaft schmecken kann und wie Hoffnung ganz neu erwachen kann.

 

Aber bleibt nicht noch ein schlechter Nachgeschmack? Blieb den Jüngern der Bissen Brot nicht im Halse stecken? Das Brot im Mund, Jesus endlich erkannt und dann: weg war er. Warum blieb er nicht noch? Es wäre doch schön gewesen. Alle hätten ihn sehen können. Keiner hätte mehr daran gezweifelt, dass er auferstanden ist. Das Unbegreifliche wäre endlich greifbar gewesen. Aber so ist Jesus. Nicht einfach greifbar. Nicht handhabbar. Ostern kann ich nicht machen. Neue Hoffnung kann ich mir selbst nicht geben, sondern sie wird mir gereicht, wie den Jüngern das Brot.

 

Mit dem Brot auf der Zunge, mit der Auferstehung auf den Lippen kehren wir wieder in unseren Alltag zurück. Die Sorgen werden durch Ostern nicht kleiner und es wird auch immer wieder einmal einen beschwerlichen Gang nach Emmaus geben wie gerade jetzt in dieser unserer Zeit. Und doch sind wir nicht jeder für sich unterwegs, sondern wir sind gemeinsam auf dem Weg, in der Gemeinschaft derer, die bis heute von dem Brot essen. Für diesen gemeinsamen Weg heißt es: Da nahte sich Jesus selbst und ging mit ihnen. Entgegen manchem Augenschein begleitet er uns, er, von dem wir heute bekennen und auf den Lippen tragen: Er ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden. Halleluja!

Predigt to go am 5.4.2020 von Pfarrer Ingo Schäfer

 

Willkommen

Im Namen Gottes,

der diese Erde geschaffen hat,

der zu uns sprach in Jesus Christus

und dessen Geist uns nahe ist in allen Dingen. Amen.

 

Biblischer Text zum Sonntag

Im Markusevangelium lesen wir heute:

1 Es waren noch zwei Tage bis zum Passafest und den Tagen der Ungesäuerten Brote. Und die Hohenpriester und Schriftgelehrten suchten, wie sie ihn mit List ergreifen und töten könnten.

2 Denn sie sprachen: Ja nicht bei dem Fest, damit es nicht einen Aufruhr im Volk gebe.

3 Und als er in Betanien war im Hause Simons des Aussätzigen und saß zu Tisch, da kam eine Frau, die hatte ein Alabastergefäß mit unverfälschtem, kostbarem Nardenöl, und sie zerbrach das Gefäß und goss das Öl auf sein Haupt.

4 Da wurden einige unwillig und sprachen untereinander: Was soll diese Vergeudung des Salböls?

5 Man hätte dieses Öl für mehr als dreihundert Silbergroschen verkaufen können und das Geld den Armen geben. Und sie fuhren sie an.

6 Jesus aber sprach: Lasst sie! Was bekümmert ihr sie? Sie hat ein gutes Werk an mir getan.

7 Denn ihr habt allezeit Arme bei euch, und wenn ihr wollt, könnt ihr ihnen Gutes tun; mich aber habt ihr nicht allezeit.

8 Sie hat getan, was sie konnte; sie hat meinen Leib im Voraus gesalbt zu meinem Begräbnis.

9 Wahrlich, ich sage euch: Wo das Evangelium gepredigt wird in der ganzen Welt, da wird man auch das sagen zu ihrem Gedächtnis, was sie getan hat. (Mk 14,(1-2) 3-9)

 

Angedacht

Still ist es im Haus von Simon.

Alle schauen sie auf diese Frau, die gerade hereingekommen ist.

Es ist ein besonderer Moment, ein kostbarer Moment, diese Begegnung mit Jesus.

Die Frau nimmt allen Mut zusammen. Ohne ein Wort zu sagen, verschenkt sie ihr kostbares Öl und salbt Jesus.

Sie muss es einfach tun, denn Jesus braucht doch diese Nähe, diese Liebe. Gerade jetzt – auf seinem Weg zum Kreuz.

Und Jesus lässt es zu, weil er sich nach dieser Liebe und Nähe sehnt. Er ist ein Mensch, genau wie wir, kein entrückter Gottessohn. Er braucht diese Zuneigung jetzt, am Beginn seines Leidensweges.

Er braucht diesen kostbaren Moment.

Ich sehne mich auch in diesen Tagen nach Momenten der Nähe. Nach einem Händedruck, nach dem gemeinsamem Singen mit ihnen und dem Feiern des Abendmahles.

Ich sehne mich nach den herzlichen Gesprächen vor und nach dem Gottesdienst. Ich vermisse meine Konfis. Ich würde so gerne im Café St Martin sitzen und einfach einmal alle wiedersehen.

Alles kostbare Momente, die jetzt nicht möglich sind und die ich vermisse.

Doch, was kann an ihre Stelle treten?

Wahrscheinlich nichts, denn persönliche Zuneigung und Begegnung sind durch nichts zu ersetzen.

Trotzdem gibt es diese kostbaren Momente noch, wenn auch anders.

Für mich sind diese kostbaren Momente das Drehen dieser kleinen Videos in unserer schönen Kirche geworden.

Ich stelle mir in diesen Momenten vor, wie sie vor mir sitzen und mit mir zusammen Gottesdienst feiern. Das tut mir gut und davon zehre ich.

Ich freue mich, wenn ich jemanden auf der Straße sehe und wir uns aus der Ferne unterhalten können. Kostbare Momente.

 

Und dann ist da noch das Gebet – dieser kostbare Moment. Im Gebet fühle ich mich mit ihnen verbunden und bin ihnen ganz nah. Ich bete für sie und ich weiß, dass auch sie die Hände falten und füreinander beten. Dabei entsteht eine Gemeinschaft, die Zeit und Raum überwindet und Nähe spendet, die nur Gott geben kann.

Alles kostbare Momente, die mir viel Kraft und Ruhe geben.

 

Jesus erfuhr diesen kostbaren Moment in der Salbung mit wertvollem Öl. Er erfuhr Liebe und Zuneigung, Nähe, die auf seinem Weg zum Kreuz immer weniger wurden.

Wie schön, dass Jesus diesen kostbaren Moment haben durfte.

Wie schön, dass Gott auch für uns solch kostbare Momente bereithält.

Amen

 

Gebet (nach Ps 24)

Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch,

dass der König der Ehre einziehe!

       Wer ist der König der Ehre?

       Es ist der Herr, stark und mächtig, der Herr, mächtig im Streit.

Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch,

dass der König der Ehre einziehe!

       Wer ist der König der Ehre?

       Es ist der Herr Zebaoth; er ist der König der Ehre.

Amen

 

Segen

Das Grün der Wiesen erfreue deine Augen,

das Blau des Himmels überstrahle deinen Kummer,

die Sanftheit der kommenden Nacht

mache alle dunklen Gedanken unsichtbar.

Amen.

Andacht to go für den Sonntag Judika, 29.3.20 von Pfrin. Tamara Schäfer

Willkommen

Im Namen Gottes,

der diese Erde geschaffen hat,

der zu uns sprach in Jesus Christus

und dessen Geist uns nahe ist in allen Dingen. Amen.

Heute ist der Sonntag Judika - „Schaffe mir Recht, Gott!“ - aufgenommen aus den Worten des 43. Psalms. Lasst ihn uns beten.

Psalm 43

Gott, schaffe mir Recht und führe meine Sache wider das unheilige Volk

und errette mich von den falschen und bösen Leuten!

Denn du bist der Gott meiner Stärke: Warum hast du mich verstoßen?

Warum muss ich so traurig gehen, wenn mein Feind mich dränget?

Sende dein Licht und deine Wahrheit, dass sie mich leiten

und bringen zu deinem heiligen Berg und zu deiner Wohnung,

dass ich hineingehe zum Altar Gottes, zu dem Gott, der meine Freude und Wonne ist,

und dir, Gott, auf der Harfe danke, mein Gott.

Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir?

Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken, dass er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist. Amen.

Biblischer Text zum Sonntag

Heute Morgen spricht Gott durch den Hebräerbrief zu uns:

12 Darum hat auch Jesus, damit er das Volk heilige durch sein eigenes Blut, gelitten draußen vor dem Tor. 13 So lasst uns nun zu ihm hinausgehen vor das Lager und seine Schmach tragen. 14 Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.

Angedacht

Liebe Leserinnen und Leser,

„harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken, dass er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist“. So formuliert es der Psalmbeter heute Morgen für uns. In einer unsicheren und für uns ungewohnten Zeit vertrauen wir uns Gott im Gebet an. Hier ist Platz für all das Gute, das wir in diesen Tagen erfahren dürfen, aber hier ist auch Platz für unsere Sorge, hier ist Platz für unsere Angst. Denn im Angesicht der täglichen Nachrichten schleicht sich immer wieder der Zweifel ein: Wie wird es weitergehen? Trifft uns das Virus ebenso hart wie unsere europäischen Nachbarn? Wie lange werden wir die Schutzmaßnahmen noch aufrechterhalten müssen? Und was macht dieser geänderte Alltag mit mir selbst? Werde ich und werden wir als Gesellschaft daraus Lehren ziehen können?

Mitten in diese Fragen hinein drängt sich heute Morgen ein knallhart nüchterner Satz: „Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.“ Ganz schlicht und realistisch hält er fest, dass unsere Zeit und unsere Heimat hier begrenzt sind. Jede Stadt, jedes Dorf, in dem wir Zuhause sind, verändert sich und ist nicht für die Ewigkeit gebaut. Es sind nur Behausungen auf Zeit, in denen wir leben, in denen wir uns einrichten. Mögen wir sie uns auch noch so behaglich und komfortabel gestaltet haben, wir werden nicht an ihnen festhalten können.

Es kann sehr schmerzlich sein, das gewohnte Zuhause zu verlassen: sei es durch finanzielle Einbußen, die einen Umzug nötig machen, sei es durch eine Trennung, die eine neue Wohnung erfordert, sei es durch ein fortgeschrittenes Alter, in dem eine ganztägige Betreuung und Pflege unumgänglich geworden sind und der Umzug in ein Pflegeheim ansteht. Das gewohnte Zuhause zu verlassen, tut weh und meist bleibt ein Stück Sehnsucht danach, die gewohnte Beheimatung wieder zu erfahren.

Doch wir sind stets unterwegs und auf der Reise, sind getrieben von der Zeit und den stetigen Veränderungen, die sie mit sich bringt. Gehen Sie doch einmal durch, in welchen Orten Sie oder Ihre Familienangehörigen bisher gewohnt haben, denken Sie einmal daran, welche Orte die Kinder und Jugendlichen unter uns wahrscheinlich noch in ihrem Leben aufsuchen und sich dort einrichten werden.

Dieses Unterwegssein gleicht einer ewigen Suche nach etwas bleibendem, einer bleibenden Stadt. Dieses Unterwegssein erinnert auch an das wandernde Gottesvolk Israel, das sich durch die Wüste seinen Weg bahnte und mit der Hilfe seines Gottes dann endlich im Land Kanaan eine Bleibe fand. Ähnlich sind auch wir unterwegs nach einer bleibenden Stadt, die zukünftige, die wir suchen.

Von ihr schreibt Johannes in der Offenbarung:

10 Und er … zeigte mir die heilige Stadt Jerusalem herniederkommen aus dem Himmel von Gott, 11 die hatte die Herrlichkeit Gottes; ihr Licht war gleich dem alleredelsten Stein, einem Jaspis, klar wie Kristall; 12 sie hatte eine große und hohe Mauer und hatte zwölf Tore und auf den Toren zwölf Engel und Namen darauf geschrieben, nämlich die Namen der zwölf Stämme der Israeliten … 14 Und die Mauer der Stadt hatte zwölf Grundsteine und auf ihnen die zwölf Namen der zwölf Apostel des Lammes. 18 Und ihr Mauerwerk war aus Jaspis und die Stadt aus reinem Gold, gleich reinem Glas. … 22 Und ich sah keinen Tempel darin; denn der Herr, der allmächtige Gott, ist ihr Tempel, er und das Lamm. 23 Und die Stadt bedarf keiner Sonne noch des Mondes, daß sie ihr scheinen; denn die Herrlichkeit Gottes erleuchtet sie, und ihre Leuchte ist das Lamm. (Off 21)

Dieses himmlische Jerusalem ist die zukünftige Stadt, zu der wir unterwegs sind. Sie ist Teil des neuen Himmels und der neuen Erde, die uns verheißen sind. Noch haben wir sie nicht erreicht, noch sind wir nicht am Ziel angekommen. Aber wer diese Stadt erblickt, wer in ihr geht, der hat seine Bleibe gefunden, der ist angekommen und Zuhause an der Seite Gottes. Denn diese Stadt trübt kein Dunkel mehr, diese Stadt erfährt keine Nacht mehr, in der Angst und Schrecken sich Raum greifen. Diese Stadt ist durchweg hell und freundlich, ganz von Gott durchwaltet. Diese neue Stadt bereitet aller Suche ein Ende, sie breitet die Arme weit aus für die, die schon so lange unterwegs sind und lässt sie nicht mehr fort. Denn in ihr sollen wir mit Gott endlich zusammenwohnen. Befreit von aller Rastlosigkeit und Unzufriedenheit, von aller Sorge und allem Leid, das unser Leben durchzieht. Dort sollen wir endlich an Gottes Seite leben dürfen, angekommen in der zukünftigen und bleibenden Stadt.

Noch ist unser Leben unstet und allerlei Gefahren ausgesetzt. Doch wir vertrauen dem Wort unseres Gottes und hoffen darauf, dass auch wir in dieser Stadt gehen werden und unsere Suche dann ihr Ziel erreicht hat. Unser Gott wird uns dieser zukünftigen Stadt Schritt für Schritt näherbringen. Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir. Amen.

Gebet

Der Herr, unser Gott möge uns immerdar sein Geleit geben.

Er möge unseren kleinen Alltag betrachten, den wir mal recht und mal schlecht bestehen müssen,die zwölf Stunden Unrast und die zwölf Stunden Ruhe vor dem Sturm.

Er hat den Tag und die Nacht geschaffen, hat auch den Alltag gemacht und den Schlaf,

und die zwölf Stunden eilen und kümmern und laufen und sorgen und streiten und ärgern und schweigen und die zwölf Stunden ausruhen und nicht mehr sehen und hören.

Er möge sich unser erbarmen am Tage und in der Nacht, in der großen und in der kleinen Welt unseres Alltags, in den Parlamenten, in den Chefetagen und in unseren Häusern.

Er möge uns unsere Krankheiten überstehen lassen und uns in der Jugend und im Alter seine Schulter geben, damit wir uns von Zeit zu Zeit, von Gegenwart zu Gegenwart an ihn lehnen können, getröstet - gestärkt - und ermutigt.                                                                                                (nach H.D. Hüsch)

Vater unser im Himmel …

Es segne und behüte dich der allmächtige und barmherzige Gott, Vater, Sohn und heiliger Geist. Amen

Andacht to go zum Sonntag Lätare, 22.3.20,von Pfarrerin Tamara Schäfer

Willkommen

Im Namen Gottes,

der diese Erde geschaffen hat,

der zu uns sprach in Jesus Christus

und dessen Geist uns nahe ist in allen Dingen. Amen.

 

Heute ist der Sonntag Lätare - „Freue dich!“

Mitten in der Passionszeit ist dieser Sonntag ein kleines Hoffnungszeichen der Vorfreude auf Ostern. Sie klingt schon im Wochenspruch an: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.“ (Joh 12, 24)

 

Biblischer Text zum Sonntag

Heute spricht Gott durch den Propheten Jesaja zu uns:

10 Freuet euch mit Jerusalem und seid fröhlich über die Stadt, alle, die ihr sie lieb habt! Freuet euch mit ihr, alle, die ihr über sie traurig gewesen seid.

11 Denn nun dürft ihr saugen und euch satt trinken an den Brüsten ihres Trostes; denn nun dürft ihr reichlich trinken und euch erfreuen an ihrer vollen Mutterbrust.

12 Denn so spricht der HERR: Siehe, ich breite aus bei ihr den Frieden wie einen Strom und den Reichtum der Völker wie einen überströmenden Bach. Da werdet ihr saugen, auf dem Arm wird man euch tragen und auf den Knien euch liebkosen.

13 Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet; ja, ihr sollt an Jerusalem getröstet werden.

14 Ihr werdet's sehen und euer Herz wird sich freuen, und euer Gebein soll grünen wie Gras. Dann wird man erkennen die Hand des HERRN an seinen Knechten und den Zorn an seinen Feinden. (Jes 66)

 

Angedacht

Liebe Leserinnen und Leser,

ein Satz fällt mir in diesen Tagen der Coronakrise besonders ins Auge: „Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet“, spricht Gott uns zu.

Es sind Worte des Trostes und der Ermutigung. Denn die Situation, in die der Prophet Jesaja spricht, ist mehr als trostlos. Er wendet sich um 520 v. Chr. an die, die aus dem Exil nach Israel zurückkehrten. Die Situation in ihrer Heimat Israel war alles andere als gut. Der Tempel in Jerusalem war zerstört, die Stadtmauern zerbrochen und es kam zu Auseinandersetzungen mit denjenigen, die im Land geblieben waren.

 

Dort hinein spricht Jesaja Worte des Trostes und der Hoffnung. Erstmals vergleicht Jesaja unseren Gott mit einer Mutter. Das Bild Gottes als einer Mutter zeugt davon, wie innig sich Gott mit seinem Volk verbunden weiß. Denn die Beziehung zwischen Mutter und Kind, diese enge Verbindung, stellt quasi eine Urform von Trost und Geborgenheit dar.

 

Noch bevor die Mutter ihr Kind von Angesicht zu Angesicht sieht, spürt sie es. Noch bevor es die ersten Zähne bekommt, stillt sie es. Noch bevor es die ersten Worte spricht, versteht sie sein Bedürfnis nach Nähe und Liebe. Noch bevor es die ersten eigenen Schritte gehen kann, hat die Mutter es bereits durch jeden vergangenen Tag sicher geführt. Und wenn es sich beim Spielen das Knie aufschlägt und weint, nimmt die Mutter es in den Arm. Sie lässt es nicht allein in seinem Schmerz und ihr Kind weiß sich geborgen. Diese enge Verbindung miteinander lässt die Mutter mitjubeln bei Erfolgen und Fortschritten ihres Kindes. Sie lässt sie aber auch mitleiden und bangen bei Kummer und Sorgen ihres Kindes.

 

So wie eine Mutter tröstet, so tröstet auch Gott, sagt Jesaja. So eng, wie Mutter und Kind miteinander verbunden sind, so eng weiß Gott sich auch mit uns verbunden. Wer selbst solche Erfahrungen hat, kann Jesaja darin gut folgen. Denn Trost gehört zu den Freuden des Lebens, die wir uns nicht selbst geben können. Dabei ist es nicht entscheidend, ob es nun die Mutter, der Vater oder ein anderer Mensch ist, der uns tröstet. Denn „Nichts tröstet so sehr wie ein Mensch, der einfach da ist, mit dir schweigt oder auf dich hört. Wo es keine Erklärungen mehr gibt, hilft nur ein Mensch, der für dich da ist.“ (Nikos Tsakis, 1919–1991)

 

Schaue ich nun auf die vor uns liegenden Wochen der Passions- und Osterzeit, dann sehe ich, wie wertvoll dieser Trost ist: wenn wir uns wie Jesus verlassen fühlen, wenn wir wie Maria am Tod unserer Lieben leiden oder sich unsere Gemeinschaft momentan ganz anders gestalten muss. 

 

In der Passionszeit bedenken wir unser Bedürfnis nach Trost und Zuversicht und unser Leiden in und an der Welt. Doch wir tun das von Ostern her in der Gewissheit, dass uns nichts von Gott trennen kann. Denn inmitten von Leiden und Tod hält Gott das Leben aufrecht, lässt er seinen Sohn auferstehen. Seine Liebe zu uns überwindet sogar den Tod und sein mütterlicher Trost versiegt nicht. 

 

Möge Gott uns in dieser Zeit der Krise trösten, wie einen seine Mutter tröstet. Amen.

 

Gebet

Gott, du bist den Leidenden nah,

du bist den Weg des Leidens zu Ende gegangen,

durch den Tod hindurch zum Leben.

 

Wir fürchten um unser Leben, wenn wir hören und sehen,

was Menschen aushalten müssen, was ihnen zugemutet wird.

Wir erschrecken und hoffen, dass es uns nicht trifft.

Wir möchten glauben, dass du auch dann bei uns bist,

wenn wir Angst haben, wenn wir Schmerzen haben,

wenn wir mit uns nicht zurechtkommen.

 

Wir bitten dich für die Menschen,

die den Tod auf sich zukommen sehen:

Lass ihre Hoffnung wachsen und ihre Angst kleiner werden.

 

Wir beten für die Menschen, die verunsichert und besorgt sind,

die sich von der aktuellen Entwicklung überfordert fühlen:

Gib ihnen Zuversicht und Menschen, die ihnen zur Seite stehen.

 

Wir rufen dich an für alle, die in Krankenhäusern und Laboren unter Hochdruck arbeiten:

Gib ihnen ausreichend Kraft und Unterstützung,

damit sie für andere da sein und ihnen helfen können.

 

Gott, wir bitten dich für uns alle:

Wenn wir nicht wissen, warum diese Krankheit, warum dieser Tod,

dann lass diese Fragen uns nicht von dir trennen.

Hilf uns glauben und auf dich zu vertrauen.

 

Vater unser im Himmel. Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

 

Segen

Es segne und behüte dich der allmächtige und barmherzige Gott,

Vater, Sohn und heiliger Geist. Amen.

Neues in Kürze und Termine

Unser "Café St. Martin" startet

Am Donnerstag, 13. August, laden wir nach langer Auszeit wieder in unser Café St. Martin ein. Wir treffen uns um 15 Uhr im Kirchenraum. Auf Kaffee und Kuchen müssen wir leider verzichten. Die musikalische Begleitung von Ingelore Kirchner an der Orgel und die von Karin von Baumbach vorgetragenen Texte werden sicher auch sehr gut munden.

Zwei am Klavier

Ein besonderer Konzertabend findet am 21. August um 18 Uhr wahrscheinlich als ein Freiluftkonzert bei uns statt. Renate Bennedik trifft auf You Kyong Kim. Das musikalische Feuerwerk beider Pianistinnen und weiterer Musikensembles verspricht höchsten Genuß.

Klappstuhlkonzert im Garten

"Trumpet Tune" von Purcell, "Geh' aus mein Herz", "Summertime", "Amazing Grace" und "Ännchen von Tharau" waren nur einige der Titel, die den Besuchern beim Abendkonzert am 19. Juli im Pfarrgarten geboten wurden. Der Posaunenchor des CVJM und der ev. Kirche in Bad Hersfeld unter der Leitung von Gesa Hild erfreute das Publikum auf besondere Weise.

(Fotos siehe links)

Andacht, Autokino und Abschied

"Tschüss, Ihr Großen", hieß es am Dienstag (30. Juni) in der Kita. Für zwanzig Kinder, die nach den Sommerferien eingeschult werden, fand ein schöne Abschiedsfeier statt. (Fotos unter Kita/Aktionen

Gottesdienste in unserer Kirche

Die Teilnehmerzahl ist auf 30 Personen beschränkt und wir bitten unsere Kirchenbesucher/innen, sich an die vorgeschriebenen Hygienemaßnahmen zu halten. Verzichten Sie auf Händeschütteln und desinfizieren Sie Ihre Hände am dafür bereitgestellten Gerät. Mund- und Nasenschutzmasken sind nur noch beim Rein- und Rausgehen zu tragen. Auf dem Platz können sie abgenommen werden. Bei den Liedern darf nun mitgesummt, aber noch nicht wieder gesungen werden.

Es werden keine Gesangbücher, sondern Gottesdienstblätter zum Mitlesen ausgeteilt. Wir freuen uns auf Ihren Besuch.

Andachten zum Nachlesen

Alle Andachten to go bis zum 5. Juli 2020 können Sie nachlesen unter Veranstaltungen.

"Mittendrin" in Glaubensfragen

 In einem Gesprächskreis für die ca. 40- bis 60-Jährigen werden einmal im Monat Glaubens- und Lebensthemen aufgegriffen. Pfarrerin Tamara Schäfer und Bettina Pfeiffer freuen sich über neue Interessenten und Impulse. Sie laden herzlich dazu ein, „mittendrin“ zu sein. Neue Termine werden noch bekannt gegeben.

Wir helfen Ihnen!

In Ihrer Martinskirchengemeinde kümmern sich freiwillige Helfer um Menschen, die ihre Einkäufe in der momentanen Situation nicht selbst erledigen können oder dürfen. Sie brauchen Hilfe? Sie kennen jemanden, der unseren Einkaufs-Hilfsdienst (Lebensmittel, Apotheke...) benötigt? Dafür hat Pfarrer Ingo Schäfer mit dem Kirchenvorstand und den Jugendlichen der Gruppe "Pasta People" einen Hilfsdienst organisiert.

Rufen Sie uns bitte an oder schreiben Sie uns eine E-Mail.

Der neue Martinskurier ist online

Viel Spaß beim Lesen.

Termine

13.08.2020 (Do), 15 Uhr

Café St. Martin im Kirchenraum

 

21.08.2020 (Fr), 18 Uhr

Piano-Konzertabend mit Renate Bennedik und You Kyong Kim

 

30.08.2020 (So), 10 Uhr

Gottesdienst mit Vorstellung der neuen Konfirmanden/innen

 

04.09.2020 (Fr), 18 und 19 Uhr

16 Uhr: Interne Tagung des Arbeitskreises Frieden der EKKW

18 Uhr: Friedensgebet zur Ökumenischen Aktion "Wanderfriedenskerze" von Pfrin. Sabine Müller-Langsdorf

19 Uhr: Gesprächsrunde zum Thema "Die Welt nach Corona - Weg des Friedens, der Gerechtigkeit und der Bewahrung der Schöpfung"

 

13.09.2020 (So), 9.30 und 11 Uhr

Konfirmation

 

27.09.2020 (So), 10 Uhr

Erntedankfest

Kontakt

Pfarrer Ingo Schäfer und

Pfarrerin Tamara Schäfer

ingo.schaefer@ekkw.de

tamara.schaefer@ekkw.de

martinskirche.bad-hersfeld@ekkw.de

06621 2801

Ev. Kindertagesstätte:

Eveline Leiter-Bublitz

06621 71929

Küster Lars Litzenbauer:

06621 3288

Café St. Martin: Traute Hinz

06621 3737

Werner Herbert (stv. Vorsitzender des Kirchenvorstandes) in Fragen zu Angelegenheiten des KV: 

06621 74907

Hier finden Sie uns

Evangelische Martinskirche
Schlippental 39
36251 Bad Hersfeld

Wir freuen uns über Spenden auf folgende drei Konten:

 

Kirchenkreisamt Hersfeld-Rotenburg – Verwendungszweck „Martinskirche“ 

 

Sparkasse Bad Hersfeld-Rotenburg

IBAN DE96 532 500 00 0001003109

BIC    HELADEF1HER

 

VR-Bank Bad Hersfeld-Rotenburg

IBAN DE17 532 900 00 0001005871

BIC     GENODEF1EK1

 

Evangelische Bank Kassel

IBAN DE02 520 604 10 0001900102

BIC    GENODEF1EK1                         

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