Farben und Gefühle im Dialog: Petra Kries zeigt in neuer Ausstellung ihre Werke zum Thema „Wind und Weite – (All)einsamkeit“
Am Freitagabend (16.1.26) waren einige Gäste in das Foyer der Martinskirche gekommen, um mit Petra Kries ihre Ausstellung „Wind und Weite – (All)einsamkeit“ zu eröffnen. Ihre Werke, die durch eine Mischung aus Leichtigkeit, Tiefe und kreativer Experimentierfreude beeindrucken, hat die Künstlerin mit unterschiedlichen Aquarelltechniken, Acrylfarben und Ölkreide erarbeitet. So entstanden Bilder wie „Natur-Harmonie“, das farbintensive „Farbenspiel“ oder „Schiffbruch“, die nachdenklichen „Linien des Lebens“ und „Leben und Tod.“ Besonders ins Auge fielen die humorvollen Upcycling-Objekte: ein Leuchtturm aus Blechdosen und eine überdimensionale Kunstblume, gefertigt aus einem alten Sieb, Eierbechern aus den siebziger Jahren und Gießkannen. Diese Arbeiten zeigen nicht nur handwerkliche Kreativität, sondern auch Kries’ Freude daran, Dingen ein zweites Leben zu schenken. „Wegschmeißen kann jeder“, sagte sie lachend. Sie hat in ihren Werken ihre Traurigkeit und ihre Freude verarbeitet, so dass vor allem eins sichtbar wird: Ihr hilft das Malen, auch schwere Schicksalsschläge zu verarbeiten. "Allein" heißt ein berührendes Bild, auf dem eine Frau am Meer sitzt. Ihr Schatten wird von einem zweiten Schatten begleitet. Es ist ein Bild, das Erinnerung und Trost vereint. Originell ist ein Häkelbild mit sogar selbst gehäkeltem Rahmen. Auf dem textilen Untergrund entfaltet sich mit Acrylfarben ein schönes Naturmotiv. Pfarrerin Tamara Schäfer eröffnete die Vernissage und fasste die Intention der Ausstellung zusammen: Sie stelle die Natur in ihrer Vielfalt und Schönheit dar, aber auch ihre Wandelbarkeit – so wie auch wir Menschen geprägt seien von Glück und Last und mit Veränderungen umgehen müssten. Petra Kries sei es wichtig, immer wieder etwas Neues entstehen zu lassen: "Die Bilder erzählen von der Hoffnung auf das Neue.“ Beim Rundgang spürten die Gäste genau das: den Wind in den Haaren, die Weite des Meeres, die Kraft der fröhlichen Farben. Die Jahreslosung der Evangelischen Kirche „Siehe, ich mach’ alles neu“ schien in vielen Bildern spürbar mitzuschwingen. Gemeinsam stimmten die Besucherinnen und Besucher das Lied „Herr, deine Liebe“ (EG 610) an, in dem es heißt, sie sei „wie Gras und Ufer, wie Wind und Weite und wie ein Zuhaus“. Die Ausstellung ist zu den Öffnungszeiten der Kirche, zu den Gottesdiensten und Veranstaltungen, geöffnet. (het)
Im Rhythmus der Humanität: Ein Abend in der Martinskirche mit
Goethe, dem Gesetz und die Freiheit mit Texten, Trommeln und Gesang (23.1.2026)
Die sechste Veranstaltung der Texte der Humanität widmete sich Goethes Werk. Das Trio zeigte brisante Parallelen zur Gegenwart auf.
Johann Wolfgang von Goethe – rund 150 Kilometer von Hersfeld entfernt in Frankfurt geboren und rund 140 Kilometer entfernt in Weimar gestorben – gilt als einer der bedeutendsten Dichter im deutschen Sprachraum. Sein „Faust“ wurde oft bei den Bad Hersfelder Festspielen gegeben, mit dem Musical „Goethe!“ wurde bei der Festspiel-Uraufführung gezeigt, dass der Dichter auch mal jung war. Dem Phänomen Goethe gingen Holk Freytag, Kristin Hölck und die Jazzlegende Günter „Baby“ Sommer am Freitagabend bei der sechsten Veranstaltung der „Texte der Humanität“ auf die Spur. Unter dem Titel „Das Gesetz nur kann uns Freiheit geben“, einem Zitat aus seinem Gedicht „Natur und Kunst“, zeigte das Trio in den von Holk Freytag aus dem Gesamtwerk ausgesuchten Textpassagen, dass Goethe bereits im 18. und beginnenden 19. Jahrhundert das Heute vorausschauend erkannte. Dass Günter „Baby“ Sommer mit seinen 82 Jahren noch immer ein multi-instrumentales Energiebündel ist, bewies er an dem Abend von der ersten bis zur letzten Minute. Mal als Begleitung der Texte, aber oft auch als Solist leitete er mit Trommelrhythmen auf seinen Schlaginstrumenten durch die Veranstaltung. Fast beruhigend wirkten seine Einsätze auf einem Keramikhorn, der Mundharmonika und der Handpan, denen er gefügige Melodien entlockte, die den teils militärischen Trommelrhythmen, dem schrillen Klang der Martins-Schalmei oder dem gar grausligen Klang mit dem Cellobogen auf einem Becken entgegenstanden. An einem Abend mit Goethe dürfen seine bekanntesten Werke nicht unerwähnt bleiben. Während Kristin Hölck ab und zu singend, meist aber rezitierend wirkte, hatte Holk Freytag neben Goethes Passagen viele erläuternde und interpretierende Worte, die Goethes Werke in einen verständlichen Kontext rückten. Neben schriftlichen Anweisungen, wie eine Mauer oder eine Tierklinik gebaut werden sollten, standen Passagen aus „Iphigenie auf Tauris“ oder „Egmont“ oder sein Bericht über eine Schauspielprobe am Weimarer Hoftheater. Als „Goethes bedeutendsten Roman“ bezeichnete Holk Freytag „Die Wahlverwandtschaften“. „Es nimmt Erkenntnisse der Psychoanalyse ebenso voraus, wie es eine heutige Sicht auf die Entwicklung der Geschlechter zueinander vorwegnimmt“, so Holk Freytag. Dass der Roman zu Goethes Zeit keinen Anklang fand, verwundere nicht. Ein Goethe-Abend muss natürlich den „Faust“ zum Thema haben. Neben der allseits bekannten Szene „Mein schönes Fräulein, darf ich wagen...“ galt der zweite Teil des Abends dem Epos, an dem Johann Wolfgang von Goethe 60 Jahre lang arbeitete. „Fausts Gesellschaftsvision ist ein Alptraum und in seinen letzten Reden schimmert zwischen den Zeilen bereits die Blutspur des zwanzigsten Jahrhunderts durch“, sagte Holk Freytag. In der Martinskirche durfte auch die Gretchenfrage nach Fausts Verhältnis zur Religion nicht fehlen. „So nachvollziehbar, so intelligent Fausts wortreiche Antwort auf Margaretes klare Frage auch ist: sie ist eine Flucht – eine bequeme Umgehung der persönlichen Festlegung“, so Holk Freytag. Und mit den Worten „Mit seinem Faust hat er die Welt ungefähr in jenen Zustand führen lassen, an dem wir uns heute abarbeiten. Wir haben sein Frühwarnsystem nicht erkannt und kaum ein Ausweg scheint sich zu zeigen“, endete der Abend mit dem Schlussdialog aus „Faust II“. So ging ein erlebnisreicher Abend zu Ende, der vom Publikum mit viel Applaus bedacht wurde. (Christopher Göbel) https://www.hersfelder-zeitung.de/bad-hersfeld/goethe-warnte-vor-dem-heute-und-niemand-hat-es-erkannt-94138570.html
Neues aus dem Weltladen im Januar 2026
Mit dem neuen Jahr hat im Weltladen Bad Hersfeld, der vor über 30 Jahren gegründet wurde, auch etwas Neues begonnen. Am 30.12.2025 wurde vom designierten Dekan Michael Zehender Dagmar Scheiblich verabschiedet, die zwischenzeitlich die Koordination des Ladens übernommen hatte. Gleichzeitig wurde Sven Lademann als neuer hauptamtlicher Koordinator mit halber Stelle eingeführt. Er ist Kommunikationsdesigner und Marketingspezialist und sieht einen Schwerpunkt seiner Arbeit darin, die Außendarstellung des Weltladens zu intensivieren, um die Bekanntheit des Fairen Handels und seiner Produkte zu erhöhen. Durch verstärkte Öffentlichkeitsarbeit in verschiedensten Bereichen und Vernetzung mit anderen Akteuren können mehr Kunden erreicht und geworben werden. Dazu gilt es, auch die Vermittlung von Wissen über den Fairen Handel, seine Bedeutung und seine Auswirkungen für die Produzenten beizubehalten und den Weltladen als Ort für gute und faire Produkte als Ort der Begegnung weiterhin zu pflegen. Privat interessiert sich Sven Lademann für Naturschutz, Naturnähe und Nachhaltigkeit. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die das Tagesgeschäft wie bisher ehrenamtlich am Laufen halten, freuen sich auf eine vertrauensvolle und erfolgreiche Zusammenarbeit. (Christa Damm-Lorenz, Weltladen Bad Hersfeld)