Im Rhythmus der Humanität: Ein Abend in der Martinskirche mit
Goethe, dem Gesetz und die Freiheit mit Texten, Trommeln und Gesang (23.1.2026)
Die sechste Veranstaltung der Texte der Humanität widmete sich Goethes Werk. Das Trio zeigte brisante Parallelen zur Gegenwart auf.
Johann Wolfgang von Goethe – rund 150 Kilometer von Hersfeld entfernt in Frankfurt geboren und rund 140 Kilometer entfernt in Weimar gestorben – gilt als einer der bedeutendsten Dichter im deutschen Sprachraum. Sein „Faust“ wurde oft bei den Bad Hersfelder Festspielen gegeben, mit dem Musical „Goethe!“ wurde bei der Festspiel-Uraufführung gezeigt, dass der Dichter auch mal jung war. Dem Phänomen Goethe gingen Holk Freytag, Kristin Hölck und die Jazzlegende Günter „Baby“ Sommer am Freitagabend bei der sechsten Veranstaltung der „Texte der Humanität“ auf die Spur. Unter dem Titel „Das Gesetz nur kann uns Freiheit geben“, einem Zitat aus seinem Gedicht „Natur und Kunst“, zeigte das Trio in den von Holk Freytag aus dem Gesamtwerk ausgesuchten Textpassagen, dass Goethe bereits im 18. und beginnenden 19. Jahrhundert das Heute vorausschauend erkannte. Dass Günter „Baby“ Sommer mit seinen 82 Jahren noch immer ein multi-instrumentales Energiebündel ist, bewies er an dem Abend von der ersten bis zur letzten Minute. Mal als Begleitung der Texte, aber oft auch als Solist leitete er mit Trommelrhythmen auf seinen Schlaginstrumenten durch die Veranstaltung. Fast beruhigend wirkten seine Einsätze auf einem Keramikhorn, der Mundharmonika und der Handpan, denen er gefügige Melodien entlockte, die den teils militärischen Trommelrhythmen, dem schrillen Klang der Martins-Schalmei oder dem gar grausligen Klang mit dem Cellobogen auf einem Becken entgegenstanden. An einem Abend mit Goethe dürfen seine bekanntesten Werke nicht unerwähnt bleiben. Während Kristin Hölck ab und zu singend, meist aber rezitierend wirkte, hatte Holk Freytag neben Goethes Passagen viele erläuternde und interpretierende Worte, die Goethes Werke in einen verständlichen Kontext rückten. Neben schriftlichen Anweisungen, wie eine Mauer oder eine Tierklinik gebaut werden sollten, standen Passagen aus „Iphigenie auf Tauris“ oder „Egmont“ oder sein Bericht über eine Schauspielprobe am Weimarer Hoftheater. Als „Goethes bedeutendsten Roman“ bezeichnete Holk Freytag „Die Wahlverwandtschaften“. „Es nimmt Erkenntnisse der Psychoanalyse ebenso voraus, wie es eine heutige Sicht auf die Entwicklung der Geschlechter zueinander vorwegnimmt“, so Holk Freytag. Dass der Roman zu Goethes Zeit keinen Anklang fand, verwundere nicht. Ein Goethe-Abend muss natürlich den „Faust“ zum Thema haben. Neben der allseits bekannten Szene „Mein schönes Fräulein, darf ich wagen...“ galt der zweite Teil des Abends dem Epos, an dem Johann Wolfgang von Goethe 60 Jahre lang arbeitete. „Fausts Gesellschaftsvision ist ein Alptraum und in seinen letzten Reden schimmert zwischen den Zeilen bereits die Blutspur des zwanzigsten Jahrhunderts durch“, sagte Holk Freytag. In der Martinskirche durfte auch die Gretchenfrage nach Fausts Verhältnis zur Religion nicht fehlen. „So nachvollziehbar, so intelligent Fausts wortreiche Antwort auf Margaretes klare Frage auch ist: sie ist eine Flucht – eine bequeme Umgehung der persönlichen Festlegung“, so Holk Freytag. Und mit den Worten „Mit seinem Faust hat er die Welt ungefähr in jenen Zustand führen lassen, an dem wir uns heute abarbeiten. Wir haben sein Frühwarnsystem nicht erkannt und kaum ein Ausweg scheint sich zu zeigen“, endete der Abend mit dem Schlussdialog aus „Faust II“. So ging ein erlebnisreicher Abend zu Ende, der vom Publikum mit viel Applaus bedacht wurde. (Christopher Göbel) https://www.hersfelder-zeitung.de/bad-hersfeld/goethe-warnte-vor-dem-heute-und-niemand-hat-es-erkannt-94138570.html
Adventliche Klänge im Kerzenschein (2025/26)
Am 4. Advent stimmte der Posaunenchor des CVJM und der evangelischen Kirchen Hersfeld klangvoll auf die Festtage ein. Geistliche Impulse kamen von Pfarrerin Tamara Schäfer und Kirchenvorstandsmitglied Werner Herbert.